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Ich brauche eine Pause

weil meine letzten Reisen nach Portugal und Südafrika wirklich beide kurz vor dem Kollaps gestanden haben. Zweimal hintereinander standen beide Lektüren wegen Langeweile kurz vor dem Abbruch. Nun schiffe ich mich kurzerhand erst einmal nach Frankreich und nach Italien ein, bevor ich mich an neue Ziele mache.

Vorhanden sind eine Menge, vor allem die aus der Bibliothek haben gerade Vorrang, da ich nicht beliebig verlängern kann. Nach dem Füllen meiner Leselusttanks stehen der Libanon, Georgien sowie die Mongolei zur Auswahl.

Blog? Reisetagebuch!

Jüngst bin ich darauf angesprochen worden, dass dieser Blog nicht allzu regelmäßig Neues führt und daher eigentlich kein Blog sei. Blogs müsse man viel öfter füttern.

Jein ;-)

Wie ich zu Beginn der literarischen Weltreise schrieb, betrachte ich diesen Blog als Reisetagebuch. Die Technik eines Blogs kommt mir bei diesem Vorhaben sehr viel mehr entgegen als die klassische Website. Da ich Bücher naturgemäß nicht im Wochenrhythmus lesen kann und zwischendurch auch Bücher ohne Weltreise-Bezug lese, gibt es freilich immer wieder Blog-Lücken. Ich sehe auch unheimlich weise voraus, dass dieser Blog dünner geführt wird, sobald ich zunehmend an Länder gerate, bei denen die Beschaffung passender Bücher schwerer wird. Bei einem Reisetagebuch allerdings ist es, finde ich, ganz in Ordnung, wenn der Reisende hin und wieder “Heimat tankt”, bevor es in neue Gefilde geht.

Abhilfe: Seit Oktober 2009 kann man den Blog abonnieren und wird informiert, wenn sich hier etwas tut. Auf diese Weise wird das Warten nicht gar so arg, wenn Bleisatz mal wieder die Füße vor dem heimischen Ofen ausstreckt statt Koffer zu packen.

Merkwürdige Stilblüte

Einige Mitreisende bei diesem Weltreise-Projekt recherchieren intensiv, um neue Lektüre aufzutreiben - vor allem Lektüre, die so original wie möglich ist. Das führt dann beispielsweise dazu, dass diese Mitreisenden Buchhandlungen auf den Kleinen Antillen anschreiben, um einheimische Autoren zu finden. Mich fasziniert diese Akribie ganz ungeheuer!

Jüngst folgte auf einen ersten Kontakt per Mail die “richtige” Post, ein schöner Brief nach Anguilla, der für Bücher-Nachschub sorgen sollte. Doch der Brief kommt und kommt nicht an… Nachfragen ergaben, dass die Deutsche Post (ja, genau die!) das schöne Anschreiben nach Angola verfrachtet hat. Der arme Postbote hat sich vermutlich verfahren, ist im Hamburger Hafen gelandet und aus einem fürchterlichen Versehen heraus auf ein Schiff geraten.

Da hat er sich bloß um rund fünf Zeitzonen verhauen, um rund 9000 km Luftline und mit ein bisschen Meer dazwischen. Vielleicht hätte es per Flaschenpost ja auch geklappt…

Das erinnert mich an einen Kommentar, den ich gerade erst gelesen habe: 1879 wurden im belgischen Lüttich Katzen für den Briefversand in die umliegenden Dörfer eingesetzt. (Quelle: Unnützes Wissen auf Facebook und Danke Simonne für den Hinweis) Wenn so eine Katze aus Versehen Richtung Meer läuft und als blinder Passagier auf ein Schiff gerät - nicht auszudenken, wo die Post 1879 gelandet ist!

Ein kleiner Trost: Eine Beschwerde bei der Deutschen Post bringt als Entschädigung für die Umstände einen netten Design-Brieföffner.

Brieföffner von der Deutschen Post

Zack in die Zeitung

Nicht zu fassen: Man liest sich rund um die Welt, schreibt munter Rezensionen und denkt selbstverständlich an nichts anderes als an das nächste Reiseziel (in Form eines Buchs freilich). Und eines Tages findet man das Projekt “literarische Weltreise” in einem Literatur-Magzin wieder. So geschehen im Literaturschock-Magazin Ausgabe 8, das das Projekt zum Thema gemacht hat. Ich finde es klasse, dass die inzwischen mehr als drei Jahre laufende Reiseunternehmung von den Magazin-Redakteuren aufgegriffen wurde und sie damit vielleicht noch ein paar Leuten mehr Lust auf so eine Reise machen (mehr als 40 sind schon dabei). Fein, fein, auch dieser Blog bekommt eine kleine Erwähnung *schmacht*

Übrigens: Für das Magazin an sich sollte man sich ruhig ein wenig Zeit lassen, es ist einfach klasse, von einigen Enthusiasten auf die Beine gestellt, und wer es noch nicht kennt, kann auch die vorherigen sieben Ausgaben downloaden. Ich übernehme keine Garantie dafür, dass die Einkaufskörbe nach der Magazin-Lektüre leer bleiben ;-)

Médecins Sans Frontières

Die Médecins Sans Frontières, kurz MSF, machen immer wieder auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam, indem sie mit einem nachgebauten Flüchtlingslager in einer Stadt “gastieren” und dort auf die Situation in den Lagern aufmerksam machen. Eine hilfreiche Einrichtung, die es durchaus erleichtert, sich die Realität vor Augen zu führen, die für so viele Menschen den Alltag bestimmt und von der wir im Regelfall nur dann erfahren, wenn irgendwelche wenig erfreulichen Rahmenbedingungen für eine Berichterstattung in den Nachrichten reichen.

Auf der Website von MSF steht über die Zahl der Flüchtlinge: Obwohl Flüchtlingsbewegungen schon immer die Folge politischer Konflikte waren, hat die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Von 2,7 Millionen Flüchtlingen im Jahr 1976 stieg die Zahl auf 14 Millionen im Jahr 1999. Gleichzeitig nahm die Zahl der Menschen, die innerhalb ihrer Herkunftsländer vertrieben werden, kontinuierlich zu. Sie liegt heute schätzungsweise zwischen 21 und 25 Millionen.

Ich hatte die Gelegenheit, solch ein Lager in Winterthur zu sehen und bin dort auch auf eine Comic-Trilogie aufmerksam gemacht worden, die die Arbeit der MSF in Flüchtlingslagern in Afghanistan beschreibt. “Der Fotograf”, so auch der Titel, ist Didier Lefèvre, der als junger Mann die MSF 1986 nach Afghanistan begleitete. Kombiniert mit dessen Fotos entwickelte der französische Zeichner Emmanuel Guibert Jahre später einen Comic daraus. Ich habe mich heute folglich entschlossen, “Der Fotograf” als Beitrag für Afghanistan zu wählen. So erfahre ich nicht nur etwas über das Land selber, sondern gleich auch noch über die MSF, ihr Engagement und ihre Arbeit. Ich hoffe, dass ich schon bald Gelegenheit zur Lektüre habe, zeitlich passend zum Ausschlag gebenden Besuch im Flüchtlingslager.

Jahresplanung…

… mit Augenzwinkern. Das Jahr beginnt, die Familie liegt der Reihe nach mit Schniefnase und fiebrigen Stirnen darnieder und ich überlege, welches Buch ich als erstes lesen soll. Mal wieder habe ich mich zur Teilnahme an einem SUB-Listen-Wettbewerb (kurz SLW) verleiten lassen, obwohl ich eigentlich Weltreisen und Europareisen bevorzuge. Aber der Ehrgeiz meinte, was man mal begonnen hat, soll man auch beenden. Das sind derer nun drei Dinge! Zum Glück habe ich in den SLW einige Bücher für die literarischen Reisen integriert.

Nach reiflichem Überlegen bei einer Tasse heißem Kakao lese ich zur Beruhigung des Gewissens erst einmal ein bisschen SLW, ein bisschen Leserunde und dann sehen wir weiter. Nach zweimaligem erfolreichen Finishen eines SLW wäre es nicht so schlimm, sollte es dieses Jahr mal nicht klappen. Suboptimale Voraussetzungen für einen SLW, gelle?

Die ersten Bücher für meine Reisen liegen bereit, ich freue mich in nächster Zukunft zum Beispiel auf Indien und Somalia. Und auf die Überraschungen in der hiesigen Bibliothek sowie die kleinen Recherchen auf der Jagd nach passenden Büchern und interessanten Funden.