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Schlappe ausgebügelt

Einen Nachtrag muss ich unbedingt vermelden:

Ich habe tatsächlich die Schlappe ausgebügelt, die ich in Irland erlitten habe: Das zunächst vorgesehene Buch von Nuala O’Faolain hatte ich ja abgebrochen (falls sich tatsächlich jemand daran erinnern mag). Nun hatte ich ein Buch von Maeve Binchy in der Hand. Dass es schon wieder ein Liebesroman sein würde, der Irland vertreten wird, war nicht geplant, aber ich hatte das Buch gewonnen und und fand, dann müsse ich es auch lesen. Binchy hat das Buch zwar 1990 veröffentlicht, es spielt aber im streng katholischen Irland der 1950er Jahre. Da kann man das ganze also auch als Zeitreise betrachten und schauen, wie es zu einer anderen Zeit in einem anderen Land zugegangen ist.

Rezension
Irland Maeve Binchy - Im Kreis der Freunde

Schweiz? Da brauch’ ich wohl was Neues…

Eigentlich wollte ich Pascal Mercier für die Schweiz ins Rennen schicken. Aber das lasse ich lieber, denn ich habe Nachtzug nach Lissabon nach 44 Seiten abgebrochen. Das kann ich bei einem schönen Land mit netten Leuten nicht stehenlassen. Daher fehlt hier der Link und ich suche einen neuen Autoren für die Reise. Auwahl ist genug da.

Jetzt habe ich schon zwei abgebrochene Reisen (Irland war ja auch eine Pleite). Also muss ich nicht nur watch nach einem neuen Buch, sondern auch noch luege, was die Bibliothek so hergibt.

Neue Fundstücke

Diesmal ging ich gut vorbereitet in die Biblothek der nahen Stadt, um einige Lücken zu füllen. Die zufälligen Routenänderungen dominieren nämlich und die ursprünglich geplanten Länder geraten ein wenig ins Hintertreffen. Die Katalogsuche bei der städtischen Bibliothek ergibt, dass ich zwei weitere Reiseziele dort bekomme:

Sri Lanka Nury Vittachi - Der Fengshui-Detektiv
Argentinien Pablo De Santis - Die Übersetzung

Bei Pablo De Santis bekomme ich zwar nicht das geplante Buch, aber der Autor selber ist zu finden. Ein Treffer, den ich nicht mit jedem Namen habe. Bei Vittachi erwarte ich einen Krimi, zu finden im ersten Stock bei den Genre-Kollegen. Was der Rechner ausspuckt, ist ein Standort in der vierten Etage, unter “Esoterik” ;-) Der Buchtitel verleitete offensichtlich zu einer gnadenlos geradlinigen Verschlagwortung, ganz an Feng Shui ausgerichtet, gar nicht nach Detektiv. Vielleicht passt ja die Kua-Zahl von Vittachi besser zu 4 als zu 1? Aber das müssen die Fachleute herausfinden …

Ganz nebenbei traf ich auf einen türkischen Schriftsteller, den ich sofort für die kriminelle Europareise einsackte:

Türkei Celil Oker - Letzter Akt am Bosporus

Ruhiger Jahresstart

Der Januar startete lesetechnisch ruhig und gemächlich. Ich habe immerhin ein Weltreise-Buch begonnen, es aber über einige Tage hinweg nicht beendet. Kurkow schreibt in attraktiven Häppchen, die sich immer wieder auch in kürzeren Zeitabschnitten gut lesen lassen und einen schnellen Wiedereinstieg ermöglichen, aber die melancholische und triste Atmosphäre mag man gar nicht immer um sich haben - und zudem: Je länger ich las, umso mehr fragte ich mich, was der Pinguin in der Geschichte eigentlich soll. Wie man in der Rezension lesen kann, habe ich es bis zum Ende nicht herausbekommen.

Nun gut, ich musste das Buch lesen, weil die Freunde ihren Besuch angekündigt hatten, von denen ich mir das Buch ausgeliehen hatte (wie hier gebloggt).

Das nachfolgende Indien-Buch hingegen hielt mich mit Spannung und Lesespaß bei der Stange. Während ich Kurkows zweiten Pinguin-Band nicht wirklich erwartungsvoll lesen würde, würde ich mich um Cleverlys Commander Sandilands schon eher reißen.

Rezensionen
Indien Barbara Cleverly - Die Juwelen von Simla
Ukraine Andrej Kurkow - Picknick auf dem Eis

Bei ihm können wir abschreiben

Beim Geschichtenverkäufer gibt es nämlich ungeheuer viele Geschichten: Die bietet er einfallslosen oder erfolglosen Autoren an, die machen einen Roman oder Kurzgeschichten drauf und hinter so vielen Büchern des Literaturbetriebs steht ein einziger Mann. Die Idee finde ich klasse ;-)

Rezension
Norwegen Jostein Gaarder - Der Geschichtenverkäufer

Bei Ixlibris habe ich einen ganz passenden Kommentar gefunden:

Die Kritiken […] reichen vom Verriss bis hin zu unverhohlenem Neid, dass einem nicht selbst die Story eingefallen ist. Es ist die Geschichte eines Mannes, der von Kindheit an von seiner Phantasie quasi überschwemmt wird. Er besitzt so viel davon, dass er auf Sozialkontakte verzichten kann, die stören bloß in einer Welt, die sich unablässig reproduziert in Millionen von Varianten. Eine Konstante gibt es im Leben Petters: den kleinen Mann mit dem Stock, den nur er sehen kann. Und natürlich die Fähigkeit, Plots auszuspucken wie ein gut gefüllter Kaugummiautomat. […] Egal, ob man die Geschichte nun ein bisschen an den Haaren herbeigezogen findet oder nicht – ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert. Weil es nämlich gar nicht so undenkbar ist. Weil Gaarder den Literaturbetrieb aus den Kulissen heraus beleuchtet. Weil er klar sagt, wie schrecklich langweilig und phantasielos wahre Autorenmassen sind, wie aufgeschmissen sie herumkrebsen ohne eine zündende Idee. Gaarder beschreibt sie alle, die mittelmäßigen, die sich durch fleißiges Weiterbohren dicker Bretter doch zu einem gewissen Lebensunterhalt hinschreiben, die Genies, die mal einen Volltreffer landen und danach wie ein Drogensüchtiger auf der Suche nach dem nächsten Schuss durch die Welt irren und verzweifelt darauf hoffen, ihren Einmalsieg zu wiederholen, um die Gerüchte zu ersticken, sie seien Eintagsfliegen. Dazwischen die Menge der Gebrauchsliteraten, die für Zeitungen und Zeitschriften schreiben als Lückenfüller zwischen Kochrezept und Klatschtratsch, um dem kulturellen Anspruch des Blattes irgendwie wenigstens dem Buchstaben nach gerecht zu werden.

Das übrigens sagt Wikipedia über Jostein Gaarder ;-) :

Jostein Gaarder (født 8. august 1952 i Oslo) er en norsk forfatter. Han fikk stor internasjonal oppmerksomhet da han i 1991 utgav suksessromanen Sofies verden, en ungdomsbok om filosofiens historie. Siden har han utgitt flere bestselgere og aktivt deltatt i samfunnsdebatten.

Isländische Karrikatur

Wer Stella Blomkvist gelesen hat, kommt unweigerlich auf die Idee, dass man die nicht allzu ernst nehmen darf. Die Autorin heißt genauso wie ihre Hauptperson, von der Autorin ist ansonsten nichts bekannt und die Hauptperson macht das, was sie tut, immer mit etwas mehr Vehemenz als üblich: Sie säuft mehr, sie legt sich mit mehr Leuten an und will das größte Auto haben. Nach kurzer Irritation hatte ich einen riesen Lesespaß.

Rezension
Island Stella Blomkvist - Die Bronzestatue

So ein rätselhafter Text über den Autor/die Autorin macht doch Lust auf mehr:

Im Verlagstext wird Stella so charakterisiert: “Stella Blómkvist ist das Pseudonym einer bekannten isländischen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens.” Es gibt viele und wilde Spekulationen in Island, wer hinter diesem Pseudonym steckt. Manchmal angeheizt und genährt von Stella selbst und auch von ihrem Verleger in Island. Viele Namen wurden und werden genannt, Zeitpunkte wann sich Stella outen wird. Aber noch immer weiß niemand, wer sie ist …