Archiv der Kategorie Europa

Luja, sog i!

Jüngst durfte ich einer ungewöhnlichen Audienz beim Papst beiwohnen. Hatte der es doch mit einem Anschlag auf seinen engsten Vertrauen zu tun und betätigte sich recht erfolgreich als Ermittler. Vespa fahrend, übrigens.

Das Buch ist der Erstling des Autorenduos Johanna Alba und Jan Chorin und ich fand das Buch so witzig geschrieben, dass ich glatt auch einen Zweitling lesen würde. Dabei finde ich, dass die zwei Autoren nicht nur ein lockeres Lesevergnügen zustande gebracht haben, sondern auch Themen angeschnitten haben, die gar nicht so gerne diskutiert werden, die aber einfach da sind und daher wohl kaum außen vor bleiben können. Seit Jahren zum Beispiel wachsen zahlreiche Kinder ohne Vater auf, weil derjenige ein Amt in der katholischen Kirche hat und sich nicht offen zum Kind bekennen kann. Der Aufruf “Liebet eure Nächsten” ist offensichtlich nicht ganz unproblematisch…

Die Rezension wird heute ausnahmsweise ins Forum von Literaturschock verlinkt, wo die literarische Weltreise ihren Anfang nahm und das dann auch als kleines Dankeschön, weil die Weltreisenden und dieser Blog im jüngsten Literaturschock-Magazin erwähnt worden sind :-)

Rezension
Vatikan Johanna Alba & Jan Chorin - Hallelujah!

Pleite in Polen

Ein dünnes Büchlein kann noch dünner werden, wenn man ohnehin nur die Hälfte davon liest. Genau das ist mir mit dem Beitrag für Polen passiert. Ich habe durch Zufall ein Bändchen mit Novellen von Cyprian Norwid in meinem Besitz gefunden und das für die Weltreise adoptiert. In diesem Fall hat sich die Adoption nicht gelohnt, weil die Texte überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge lagen. Es hat sich auch noch gelohnt, dass Büchlein überhaupt jahrelang treusorgend von einer Wohnung in die nächste umzuziehen.

Norwid ist ein Dichter des 19. Jahrhunderts (*1821, +1883), dessen Werk zunächst in Vergessenheit geriet und erst Ende des 19. Jh. wieder auftauchte und erneut veröffentlicht wurde. Ach, sollen andere dieses Werk entdecken, ich lasse die Finger davon. Ob Polen wie Island oder die Schweiz noch eine zweite Chance bekommt, hängt davon ab, wie gut ich zunächst in andere Länder reisen kann.

Rezension
Polen Cyprian Norwid - Das Geheimnis des Lord Singelworth

Das 40. Land

Das vierzigste Land meiner Weltreise lag quasi um die Ecke: Italien. Für diese Leseerfahrung musste ich mich mit dem Autor des Buchs allerdings in den Stau stellen. In flirrender Hitze. Ich habe durchgehalten; freundlicherweise war das Buch kürzer als der Stau lang war. Ein amüsantes, treffendes Buch mit einem überraschenden Schluss.

Rezension
Italien Carlo Lucarelli - Autostrada

Dünne Saat aus Portugal

Die Suche nach passenden Büchern bereitet mir immer wieder mehr oder wenige nette Überraschungen. Wie die Recherche für Portugal beispielsweise: Da ich parallel eine kriminelle Europareise mache und auch bei der hiesigen Weltreise bevorzugt Krimis lesen wollte, machte ich mich ordnungsgemäß auf die Suche nach portugiesischen Krimiautoren; einer für hier, einer für da. Hübsch verteilt eben. Erste Anlaufstelle war die Krimi-Couch, auf der ich folgenden entzückenden Satz zu lesen bekam:

Die Riege der portugiesischen Krimiautoren ist dünn gesät, um nicht zu sagen: Es gibt nur einen Portugiesen, der Krimis schreibt, die bisher in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Gemeint ist Francisco José Viegas. Da fällt man angesichts der überbordenden Auswahl glatt in Ohnmacht. Weitere Recherchen ergaben zwar duchaus mehr Krimis, die in Portugal spielen, allesamt aber von auswärtigen Autoren. Und weil ich in der Vergangenheit schon einige Ausnahmeregelungen zugelassen hatte, wollte ich ausgerechnet bei diesem europäischen Land keine Sonderfuhre. Joker sparen! Wer weiß, wann wieder welche fällig werden.Und so lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss. In diesem Fall: Liebe Bettina, lies’ den Viegas brav für die Krimireise und suche Dir für die Weltreise etwas anderes. Wie wäre es mit José Saramago, der als Nobelpreisträger das Land sicher würdig vertreten wird? Wir werden es versuchen. Es sei denn, Viegas begeistert mich so sehr, dass ich noch mehr von ihm lesen will. Wie die Entscheidung ausgeht, werden wir sehen.

Entmisten mit Murphy

Hin und wieder sollte man seine Habseligkeiten durchsehen und auf nutzlos gesammeltes Zeugs durchforsten. So heißt es jedenfalls und ich dachte “Nun gut, ich auch. Wer weiß, wozu es gut ist!”. Ein neuralgischer Punkt war schon immer eine Pappkiste, in die ich seit Jahren keinen Blick mehr hinein geworfen hatte. Ich wusste nur noch, dass da “irgendwelche Bücher” drin sein mussten, die irgendwann mal mangels Interesse aus dem Regal auswandern mussten. Also ran an den Schandfleck auf dem Regal!

Tatsächlich musste mehr als die Hälfte aller enthaltenen Bücher Federn lassen - sprich: Sie wurden entsorgt. Bis ich auf ein altes Büchlein aus der Insel-Bücherei stieß und neugierig blätterte. Da stand doch tatsächlich übersetzt aus dem Polnischen.

Das Entmisten wurde zu Gunsten einer kurzen Internetrecherche unterbrochen und so kommt es, dass ich unverhofft ein weiteres Land auf meiner Weltreise aus eigenem Buchbestand belesen kann:

Polen Cyprian Norwid - Das Geheimnis des Lord Singleworth

Wem das so gar nichts sagt, der sei beruhigt. Herr Norwid wurde bereits 1821 in Laskowo-Gluchy geboren und starb 1883 in Paris. Besagte Novellen stammen - soweit ich weiß - aus dem Jahr 1883 bzw. wurden in diesem Jahr erstmals veröffentlicht.

Lieber Krimi statt Zeitungsartikel

Nachdem ich bereits bei Irland einen zweiten Versuch ins Rennen geschickt hatte, erledige ich das hiermit auch für die Schweiz. In diesem Fall bin ich bei einem Buch gelandet, das mir ungeheuer gut gefallen hat und das mich tatsächlich in Gefahr bringt: Statt brav weiter um die Welt zu reisen, würde ich die nächsten Wochen am liebsten mit den Folgebänden dieses Krimis verbringen:

Rezension
Schweiz Petra Ivanov - Fremde Hände

Der Krimi dreht sich um Zwangsprostitution und besonders um Minderjährige, die auf dem Balkan in die Hände von skrupellosen Menschenhändlern geraten. Problematisch in der Schweiz bei der Verbrechensbekämpfung ist der rechtliche Status der Frauen, da nicht deren Opferrolle die Hauptrolle spielt, sondern ihr illegaler Aufenthaltsstatus. Offizielle Stellen schätzen, dass jährlich rund 3000 Frauen illegal in die Schweiz eingeschleust werden.

Ivanov schrieb das Buch, nachdem sie in Albanien über Zwangsprostitution recherchiert hatte, sich aber kein Artikel in der schweizer Presse unterbringen ließ - kein Interesse, zu negativ, kein Lokalbezug, nicht neu genug … Man kann’s Kriminellen halt auch einfach machen.