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Reise auf den Balkan

Von der Schweiz aus ging es mit dem nächsten Buch auf den Balkan - wörtlich gemeint: Gefahren auf einer Ducati, gelenkt von der Privatermittlerin Jasmin Meyer. Mit diesem Buch mache ich die leichte ungenaue Einteilung meines letzten Buches unter “Sudan” wieder wett, denn es geht in den Kosovo, über den Wikipedia schreibt:

Der völkerrechtliche Status des Landes ist umstritten. Am 17. Februar 2008 proklamierte das Parlament die Unabhängigkeit des Territoriums von Serbien. 86 der 193 UN-Mitgliedsstaaten erkennen die Republik Kosovo als unabhängig an, zugleich wird sie aber von der UN als Teil Serbiens betrachtet.

Hier jedenfalls setze ich meine Lesereise der gewünschten Unabhängigkeit entsprechend fort, denn in Serbien war ich schon. Nur die Weltkarte von World66, die ich benutze, ist in dieser Hinsicht gar nicht aktuell, denn hier wird alles noch unter “Serbien und Montenegro” geführt, was im Fall von Montenegro seit 2006 schon nicht mehr stimmt und im Fall des Kosovo seit 2008. Fehlt noch ein Buch aus Montenegro, dann stimmt die derzeit fehlerhafte Einfärbung mit meiner literarischen Reise überein.

Zum Territorium des Kosovo gehört auch der Nordkosovo, in dem allerdings so viele Serben wohnen, dass die Unabhängigkeit der Kosovaren hier nicht anerkannt wird. Um die Stabilität zu gewährleiste, ist unter anderem die Schweizer Armee mit der Swisscoy vor Ort aktiv - untergebracht im Camp Casablanca, das in Petra Ivanovs aktuellem Buch eine tragende Rolle bekommt.

Rezension
Kosovo Petra Ivanov - Tatverdacht

Da vergeht der Appetit

wenn in der Knochenmühle der Grillstation Löschenkohl Menschenknochen auftauchen. Grrrrruselig. Mit so etwas schlägt sich Simon Brenner herum. Mir wären Nockerln, Kaiserschmarrn oder Ähnliches doch lieber. Aber vielleicht hätte man im Löschenkohl in diesem Fall noch das Mehl zum Strecken der Zutaten benutzt. Grrrrruselig.

Damit keiner aus Furcht  vor dem österreichischen Essen verhungert, hier die unverfälschte Alternative zum Hendl vom Löschenkohl:

KAISERSCHMARRN
3 Eier
500 ml Milch
1 TL Zucker
1 Prise Salz
350 g Mehl
Rosinen
etwas Sprudel
30 g Butter
Puderzucker

Eigelb vom Eiweiss trennen. Die Milch mit dem Eigelb, Zucker und Salz in eine Rührschüssel und mit dem Schneebesen gut verrühren. Das Mehl unter ständigem Rühren einstreuen, bis eine dickflüssigere Masse entsteht und dann die Rosinen einrühren (man kann sie weglassen, aber MIT schmeckt der Schmarrn einfach besser - oder Apfelstückchen …. lecker!!). Ein Schuss Sprudel sorgt dafür, dass der Schmarrn lockerer wird. Das Eiweiss zu Schnee schlagen und unterheben und zum Schluss kommt die geschmolzene Butter dazu.

Den Teig lässt man in der Pfanne, bis die Unterseite fest ist, dann wird mit einem Pfannenwender geteilt und gewendet. Erst dann wird der Schmarrn mit Gabeln zerrissen und fertig gebraten. Zur Dekoration mit Puderzucker bestreuen.

Zum Nachtisch:

Rezension
Österreich
Wolf Haas - Der Knochenmann

Täglich grüßt Melancholie

“Der letzte Fado” ist mein Portugal-Ausflug überschrieben.Und nachdem ich nachgeschlagen habe, was Fado eigentlich ist, passt dieser Titel bestens zum gesamten Buch. Wikipedia klärt mich auf, ein Fado handle meist von unglücklicher Liebe, der Sehnsucht nach besseren Zeiten und “drückt jenen Schmerz aus, der die Portugiesen miteinander verbinden soll”. Vor allem enthalte der Fado saudade.

Unter diesem Stichwort geht die ganze Tragik weiter: “eine spezifisch portugiesische Form des Weltschmerzes”. Übersetzungen wie Traurigkeit, Wehmu, Sehnsucht oder Melancholie würden nur einigermaßen passen. “Das Wort steht für das nostalgische Gefühl, etwas Geliebtes verloren zu haben, und drückt oft das Unglück und das unterdrückte Wissen aus, die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können, da es wohl nicht wiederkehren wird.”

Auwei! Ich habe eine Überdosis davon abbekommen und angesprochen hat mich das Buch vor lauter saudade gar nicht. Soviel für meine Begriffe grundlose Melancholie ist ziemlich ermüdend und nicht umsonst sagt wohl eine der Personen auf einer Reise auch, sie wolle viel schlafen. Ich habe mit Ach und Krach mitbekomme, wer wen und warum umgebracht hat, weil ich irgendwann die saudade gar nicht mehr lesen wollte, sondern nur noch quergelesen habe, damit ich noch genug Mumm zum Rasen mähen, mit Filz basteln, Zähne putzen, Geschirrspüler ausräumen, Marmelade kochen etc behalte. Man müsse Portugiese sein, um saudade zu verstehen, heißt es. Ich sehe das ganz genauso.

Rezension
Portugal  Francisco José Viegas - Der letzte Fado

Gehässiges Terrain

Außer ein wenig Schulwissen über Lage und ungefähre Größe ist nicht viel über dieses Land da und immerhin hatte ich ein klitzekleines déjà vu, als der Name des Staatschefs auftauchte, in dessen Regierungszeit die Handlung des Buchs fällt: Enver Hoxha.

Während ich über das heutige Albanien nach wie vor Nachholbedarf habe, weiß ich zumindest, dass ich mit dem historischen Albanien unter Hoxha zum Glück nichts zu tun hatte. Wer sich über die DDR noch wundert, wird über das Albanien dieser Zeit noch viel mehr erschrecken.

Auf wahrhaft gehässiges Terrain führte mich Ornela Vorpsi, mit der ich meine Etappe nach Albanien bestritten habe. Als hätte die Partei nicht schon genug Druck aufgebracht, machen sich die Menschen das Leben gegenseitig zusätzlich schwer mit Missgunst, Hass und Niedertracht. Gut, dass das Buch kurz war und ich mit der nächsten Station vielleicht freundlichere Gefilde erreiche.

Rezension
Albanien Ornela Vorpsi - Das ewige Leben der Albaner

Nix zum Pixeln

Satz mit X: War wohl nix.

Das gilt im Fall meines letzten Weltreiseziels auf alle Fälle für die schöne Rötung der Weltkarte. Auf der tut sich nämlich nix. Dafür ist das bereiste Land zu winzig; kein Wunder, wenn man Luxemburg bereist (noch ein x, übrigens), das mit 2586 Quadratkilometern Kleinheit freundlicherweise noch größer ist als das kleinste EU-Land Malta.

Dass Luxemburg ziemlich klein ist, merkt man am Namen: Alles kommt von “Lucilinburhuc”, aus dem zeitweilig Lützelburg wurde. Und lützel bedeutet klein (niederdt.: lütt, engl.: little), genauso zu finden im Ortsnamen Lützellinden oder dem Kloster Lützel oder gar dem in Kleinlützel.

Luxemburg hat offensichtlich eine schöne regionale Küche zu bieten, die man bei Xavier Kieffer (ein X, ein X!) in diesem Krimi auch bekommt. Eine immer wieder erwähnte Köstlichkeit ist Bouneschlupp und für alle, die neugierig darauf sind, bietet Wikipedia in seiner letzeburgischen Ausgabe auch das Rezept dazu an. Eine andere Leckerei aus dem Buch, die ebenfalls auf letzeburgisch nachgekocht werden kann, wäre beispielsweise Gromperekichelchen oder Judd mat Gaardebounen.

Um nochmals auf das X zurückzukommen: Auch das Buch war eher X als U. Schön zu lesen, aber abgesehen von Tricatel hatte ich keinen großen Aha-Effekt. Doch in der Rezension steht mehr zu dieser kleinen literarischen Nascherei für Xwischendurch.

Rezension
Luxemburg Tom Hillenbrand - Teufelsfrucht

Henkersmahlzeit

Ein literarisches Menu der besonderen Art war für mich das Hörbuch “Angerichtet” des niederländischen Autors Herman Koch. Ich wusste im Vorfeld bereits, dass dieses Buch bereits für Diskussionsstoff gesorgt hat und ich stimme zu: Ja, denn was uns da im Nobelschuppen vorgesetzt wird, ist schwer verdaulich und mit bitterem Nachgeschmack versehen.

Erzähler Paul seziert seine eigene Familie. Hässliche Details aus der Vergangenheit kommen ans Tageslicht, dazu serviert wird der traurige Anlass des Treffens im Restaurant: Pauls Sohn Michel und der Sohn seines Bruders Serge, Rick, sind straffällig geworden. Ein “Glück”, dass nur die Eltern wissen, was los ist und ihnen diese Tatsache die “Freiheit” gibt, selber in einem Familienrat zu entscheiden, was nun zu tun ist.

Dass die Geschichte in ihrer Gänze Diskussionsstoff unglaublich viel Diskussionsstoff liefert, ist absolut keine Frage. Die letzten beiden Bissen dürften besonders schwer zu verdauen sein.

Rezension
Niederlande Herman Koch - Angerichtet