Archiv der Kategorie Australien/Ozeanien

Doppelpasch

Wirklich bemerkenswert: Manchmal kommt man wochenlang nicht weg vom Fleck, danach sammelt man innert kürzester Zeit Lesemeilen wie verrückt. Bei mir ging der Flug zunächst in die Türkei, von dort nach Neuseeland und vom anderen Ende der Welt ging es mit einem Zwischenstopp in der Elfenbeinküste wieder nach Hause.

Der Türkei war ja bereits mein voriger Eintrag gewidmet. Mit Neuseeland betrat ich - zumindest literarisch gesehen - kein Neuland, da ich Ngaio Marsh schon als Kind gerne gelesen habe und für diese Reise gerne bei ihr Station gemacht habe. Ich wüsste keinen Krimi von ihr, der in Neuseeland spielt, aber der Geburtsort zählt…

…wie auch bei meinem Abstecher in die Elfenbeinküste, den ich in Begleitung von Ahmadou Kourouma gemacht habe. Ich hatte in der Bibliothek ein Hörbuch aus der Reihe “Afrika erzählt” ergattert und das war eine gute Wahl. Kourouma ist wie seine Titelperson Koyaga beim Militärdienst gewesen, eben auch in Indochina. Koyaga selbst gerät durch ein Missverständnis zum Militär: In der Sprache der Malinké kannte man nur ein Wort für Kampf, Streit und Krieg. Für Koyaga also selbstverständlich, dass er sich als unerschrockener Kämpfer bei den Franzosen behaupten muss. Den Unterschied lernt er schnell und er überlebt im Gegensatz zu vielen Kameraden die Einsätze.

Kourouma hat mit seiner kritischen Haltung lange im Exil gelebt. Nach der Geburt in der Elfenbeinküste und der Schulzeit in Malilebt er nach 1964 im Exil in Algerien, Kamerun und Togo, bevor er wieder in die Heimat zurückkehren darf. Kourouma erhält u. a. den  Grand Prix littéraire de l’Afrique noire und den Prix Renaudot. Seit 2004 gibt es übrigens einen Preis, der Kouroumas Namen trägt: Der Prix Ahmadou Kourouma vom Internationalen Salon des Buches und der Presse in Genf verliehen. Ausgezeichnet wird ein Roman oder Essay, der sich mit dem Afrika südlich der Sahara befasst - so die Ausschreibung.

Rezensionen
Elfenbeinküste Ahmadou Kourouma - Die Nächte des großen Jägers
Neuseeland Ngaio Marsh - Ouvertüre zum Tod

Des Rätsels Lösung

lautet Samoa. Wer am linken Bildrand genau hinschaut, erkennt in der unteren Bildhälfte drei kleine Punkte, von denen der obere rot angepinselt ist. Dort war ich unterwegs mit einer Familiensaga, die laut einer Kritikerin eine Art samoanische Buddenbrooks sei. Die Geschichte von Albert Wendt erzählt, wie das Clanoberhaupt Tauilopepe raffiniert mit der Technik der ausländischen “Papalagi” seinen Clan zum bedeutendsten und reichsten im Ort Sapepe macht; dabei bleiben aber viele Menschen - selbst in der eigenen Familie - auf der Strecke. Soviel Machtausübung und Kälte ruft früher oder später Feinde auf den Plan.

Ursprünglich wollte ich bei Samoa Wendts Buch “Der Clan von Samoa” lesen und erst das Suchen im Internet zeigte, dass ich eigentlich doch genau das Buch erwischt hatte, das ich wollte *seufz* Ein anderer Verlag, eine andere Auflage, ein anderer Titel …

Rezension
Samoa Albert Wendt - Die Blätter des Banyanbaums

Samoa ist ein zweigeteilter Inselstaat: Der westliche Teil ist Samoa (bzw. auch Westsamoa), der östliche Teil gehört zu den USA. Das Buch spielt auf der Insel Upolu, auf der die Hauptstadt Apia liegt.

Wie Wikipedia schreibt, entschuldigte sich 2002 Helen Clark, Premierministerin Neuseelands, offiziell für die „inkompetente und unangemessene Behandlung Samoas während der ersten Jahre neuseeländischer Verwaltung“. Eine Ahnung davon, wie der latente Rassismus ausgesehen hat, gibt das Buch ab dem zweiten Teil deutlich wieder. Zwar erhielt Samoa am 1. Januar 1962 erhielt West-Samoa als erstes fremd beherrschtes Land Polynesiens seine Unabhängigkeit wieder, aber die “Papalagi” und ihre Einflüsse behielten das Land dennoch in ihren Händen.

Ab in den Pazifik

Nachdem ich mir meiner Lücken in Ozeanien so schmerzlich bewusst wurde, habe ich mich pflichtbewusst in der Bibliothek bereichtert - Glück vielleicht auch, dass es überhaupt zur Ausleihe zur Verfügung stand. Aber ich habe gelernt, dass selbst in dieser verhältnismäßig kleinen Stadt eine vielseitige Bibliothek mit einigen Überraschungen aufwartet.

Tonga hatte ich vorgesehen, den Titel bei einer Mitreisenden abgeschrieben, weil ich selber nichts anderes gefunden hatte. Kein Wunder, steht im Nachwort jenes Buchs doch:

… kennen doch die Gesellschaften im Südpazifik keine schriftliche Tradition. Die englischsprachige einheimische Literatur im Südpazifik ist demzufolge noch jung: Sie entstand Anfang der siebziger Jahre im Umfeld der University of the South Pacific. Einer ihrer Gründerväter ist Epeli Hau’ofa.

Parallel zur Lektüre der Kurzgeschichten aus Tonga musste ich mich kräftig weiterbilden, denn viel wusste ich von Tonga nicht. Jetzt ist mehr klar, vor allem, dass meine Weltkarte sich zumindest optisch nicht verändern wird ;-)

Der Archipel umfasst die 169 früher auch Freundschaftsinseln (englisch: The Friendly Islands) genannten Tongainseln, von denen nur 36 bewohnt sind, sowie die beiden Minerva-Riffe. Tonga ist der einzige Staat in Ozeanien, der nie von Europäern kolonialisiert wurde. … Fläche: 48 km², rund 100.000 Einwohner, die mit Pa’anga zahlen.
Quelle: Wikipedia

Sehr aufschlussreich fand ich übrigens die Kommentare zur Wirtschaft in Tonga - ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen. Einfach dem Link zu Wikipedia folgen und selber linsen.

Ach ja, zwei Dinge noch, die zu diesem Eintrag unbedingt dazu gehören:

Rezension
Tonga Epeli Hau’ofa - Rückkehr durch die Hintertür

Ko e hingoa ʻo e kiʻi fonua ʻi he Pasfiki tongahihifo ko Tonga ia, pe ʻOtu motu ʻo Tonga pe Puleʻanga fakatuʻi ʻo Tonga. Ko e hingoa ʻOtu Angaʻofa pe ʻOtu Felenite (Friendly Islands) naʻe ʻoatu ʻe he ʻeikivaka ko Semisi Kuki.

Es läuft gerade so gut

Gerade erst zwei Länder bereist und schon wieder saß ich ohne Jetlag sher lange im virtuellen Flieger, um Australien zu besuchen. Am anderen Ende der Welt traf ich auf einen Privatermittler mit einer großen Klappe und einem Hang, am Rande der Legalität zu arbeiten. Von ihm zu lesen machte Spaß; literarische gesehen zwar ein typischer Vertreter seines Standes, aber mit Biss und Humor geschrieben. Selbst mit Spuren von nächtlichen Zusammenstößen mit Unbekannten im Gesicht kann er noch schräge Witze machen - wenn auch nur für sich selbst, verstehen würde ihn mit seiner dicken Lippe ohnehin keiner.

Rezension
Australien Susan Geason - Fish vor die Hunde

Sträflich vernachlässigt

Auf meiner Weltreise bin ich schon gut herumgekommen. Was auf alle Fälle noch bereist werden sollte, sind folgende Länder der ursprünglich geplanten Reiseroute:

Europa: Portugal
Afrika: Algerien - Marokko - Südafrika
Süd- und Zentralamerika: Brasilien - Kolumbien - Panama
Asien & Naher Osten: Syrien - Türkei
Nordamerika & Karibik: Canada - Cuba - Jamaica - Mexiko - Puerto Rico
Australien & Ozeanien: Australien - Neuseeland - Pitcairn Island - Samoa - Tonga

Bei meinem jüngsten Blick auf die bereisten Länder aber fielen mir zwei klaffende Lücken auf: Australien/Ozeanien sowie Nordamerika & Karibik. Aus der ersten Region habe ich in der Tat noch nicht ein einziges Buch gelesen, aus der zweiten nur eines, das noch nicht einmal auf der geplanten Route lag :-o

Sofortige Abhilfe tut Not und mir kam ein Zufallsfund gerade Recht:

Australien Susan Geason - Fish vor die Hunde

Keine marktfrische Ware sozusagen, aber das stört micht gar nicht. Es ist ein Krimi, es ist ein für mich neuer Ermittler und das alleine zählt. Dafür verspreche ich als Ausgleich, mir möglichst bald auch ein weiteres Buch aus dieser Region zu organisieren, damit die Lücken am anderen Ende der Welt nicht so auffällig groß bleiben. Das Buch von Robert Merle über Pitcairn Island bekomme ich hier sogar - auf französisch! In der Sprache habe ich schon lange nichts mehr gelesen und umso mehr sollte ich vielleicht auf dieses Buch achten.

In die städtische Bibliothek gehe ich ohnehin gerne, da die in einem sehr alten Haus untergebracht ist, mit Sichtmauerwerk und wunderbar restauriert. Man sollte es nicht glauben, aber man hat sieben Stockwerke dort zur Verfügung.

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