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Naurus Nachbarn

habe ich im Anschluss besucht: Die Solomonen. Ich gebe zu, bei diesem Reiseziel zählt nicht der Autor, sonder nur der Schauplatz: Eigentlich dreht es sich im Buch einer amerikanischen Autorin um amerikanische Broadway-Schauspielerinnen. Doch die waren im 2. WK tatsächlich in der Südsee unterwegs, um den dort stationierten Soldaten mit Shows Motivation und Unterhaltung zu bringen. Organisiert wurde das von der USO (United Service Organizations), die 1941 gegründet wurde. Die USO ist bis heute aktiv.

Die Solomonen, eine Inselgruppe im Pazifik, waren Schauplatz intensiver Kämpfe zwischen den USA und Japan war. Ganz in der Nähe des Buchschauplatzes Tulagi fand zuvor eine lange Schlacht um die Insel Guadalcanal statt und auch im Buch gehören Passagen über immer wieder stattfindende Gefechte zum Geschehen. Mehr als 40 Schiffe sind während des Krieges nördlich von Guadalcanal versenkt worden und die einst Savo Sound genannte Meerenge heißt seither Ironbottom Sound.

Rezension
Solomonen Kathryn Miller Haines - Miss Winter lässt nicht locker

21 Quadratkilometer

groß war eines meiner jüngsten Reiseziele. Ganz so lange wollte ich also doch keine Reisepause machen. Ich beginne am besten mit der Anreise dorthin:

Der einladende Autor erzählt, dass schon der Kauf der Tickets abenteuerlich war, weil keiner so recht wusste, wohin er wollte. Als die Tickets dann da waren, ging es von Frankreich erst nach Australien, dann auf die Fidschis. Dort wurde der Flieger voll gepackt mit Menschen und Gütern gleichermaßen und dann ging es nach einem Zwischenstopp auf Kiribati zum Ziel. Der Flieger geht im Anschluss noch auf die Salomon Islands, bevor er auf die Fidschis zurückkehrt. Wie das Ziel heißt? Zum Mitschreiben: NAURU!

Diese winzige Insel war dank des Bodenschatzes Phosphat (wichtig für Dünger) einst ein echtes Wirtschaftswunderland, das aber vor lauter Wunder die Realität vergessen hat. Die Insel schwamm im Geld und keiner hat auch nur ansatzweise wahrhaben wollen, dass Geld nicht unendlich ist - und dass letztlich auch die mickrige Insel nicht ewig Phosphat würde hergeben können. Beim Ausgeben haben schlechte Ratgeber aus dem Auslad tatkräftig geholfen, denn die hatten vorrangig vor, ihre eigenen Geldbeutel auf Naurus Kosten zu füllen.

Alles in allem hat der Franzose Luc Folliet eine sehr spannende und lehrreiche Geschichte recherchiert. Ich finde es absolut lesenswert, über wirtschafltiche Spinnereien zu lesen, die in ähnlicher Form immer wieder passieren und auch aktuell zu passieren scheinen. Da Nauru so unbekannt ist, lässt sich schwerlich sagen, ob jemand was aus dem Fall dieses Staates lernt. Doch wäre es wirklich anders, wenn Nauru bekannter wäre?

Rezension
Nauru Luc Folliet - Nauru, die verwüstete Insel

Ich liebe Landkarten

Eine nette kleine Spielerei ist das, dieses Klicken von Häkchen :-)

Deshalb kommen meine Reisepläne zur Abwechslung mal wieder per Karte von World66. Verzeichnet sind Aserbaidschan, Irak, Pakistan und Kiribati. Letzteres ist eine real existierende Insel in der Südsee, auch wenn die Karte dies nicht vermuten lässt. Es hat bei der betreffenden Inselgröße leider nicht einmal für ein rotes Pixelchen gereicht…

Das Irak-Buch lese ich gerade, es hat sich noch vor das Angola-Buch geschummelt. Die anderen drei Bücher gehören zum Projekt SUB-Abbau Nummer 8, für den ich gerade eben die geplanten sechs Bücher ausgewählt habe.

Doppelpasch

Wirklich bemerkenswert: Manchmal kommt man wochenlang nicht weg vom Fleck, danach sammelt man innert kürzester Zeit Lesemeilen wie verrückt. Bei mir ging der Flug zunächst in die Türkei, von dort nach Neuseeland und vom anderen Ende der Welt ging es mit einem Zwischenstopp in der Elfenbeinküste wieder nach Hause.

Der Türkei war ja bereits mein voriger Eintrag gewidmet. Mit Neuseeland betrat ich - zumindest literarisch gesehen - kein Neuland, da ich Ngaio Marsh schon als Kind gerne gelesen habe und für diese Reise gerne bei ihr Station gemacht habe. Ich wüsste keinen Krimi von ihr, der in Neuseeland spielt, aber der Geburtsort zählt…

…wie auch bei meinem Abstecher in die Elfenbeinküste, den ich in Begleitung von Ahmadou Kourouma gemacht habe. Ich hatte in der Bibliothek ein Hörbuch aus der Reihe “Afrika erzählt” ergattert und das war eine gute Wahl. Kourouma ist wie seine Titelperson Koyaga beim Militärdienst gewesen, eben auch in Indochina. Koyaga selbst gerät durch ein Missverständnis zum Militär: In der Sprache der Malinké kannte man nur ein Wort für Kampf, Streit und Krieg. Für Koyaga also selbstverständlich, dass er sich als unerschrockener Kämpfer bei den Franzosen behaupten muss. Den Unterschied lernt er schnell und er überlebt im Gegensatz zu vielen Kameraden die Einsätze.

Kourouma hat mit seiner kritischen Haltung lange im Exil gelebt. Nach der Geburt in der Elfenbeinküste und der Schulzeit in Malilebt er nach 1964 im Exil in Algerien, Kamerun und Togo, bevor er wieder in die Heimat zurückkehren darf. Kourouma erhält u. a. den  Grand Prix littéraire de l’Afrique noire und den Prix Renaudot. Seit 2004 gibt es übrigens einen Preis, der Kouroumas Namen trägt: Der Prix Ahmadou Kourouma vom Internationalen Salon des Buches und der Presse in Genf verliehen. Ausgezeichnet wird ein Roman oder Essay, der sich mit dem Afrika südlich der Sahara befasst - so die Ausschreibung.

Rezensionen
Elfenbeinküste Ahmadou Kourouma - Die Nächte des großen Jägers
Neuseeland Ngaio Marsh - Ouvertüre zum Tod

Des Rätsels Lösung

lautet Samoa. Wer am linken Bildrand genau hinschaut, erkennt in der unteren Bildhälfte drei kleine Punkte, von denen der obere rot angepinselt ist. Dort war ich unterwegs mit einer Familiensaga, die laut einer Kritikerin eine Art samoanische Buddenbrooks sei. Die Geschichte von Albert Wendt erzählt, wie das Clanoberhaupt Tauilopepe raffiniert mit der Technik der ausländischen “Papalagi” seinen Clan zum bedeutendsten und reichsten im Ort Sapepe macht; dabei bleiben aber viele Menschen - selbst in der eigenen Familie - auf der Strecke. Soviel Machtausübung und Kälte ruft früher oder später Feinde auf den Plan.

Ursprünglich wollte ich bei Samoa Wendts Buch “Der Clan von Samoa” lesen und erst das Suchen im Internet zeigte, dass ich eigentlich doch genau das Buch erwischt hatte, das ich wollte *seufz* Ein anderer Verlag, eine andere Auflage, ein anderer Titel …

Rezension
Samoa Albert Wendt - Die Blätter des Banyanbaums

Samoa ist ein zweigeteilter Inselstaat: Der westliche Teil ist Samoa (bzw. auch Westsamoa), der östliche Teil gehört zu den USA. Das Buch spielt auf der Insel Upolu, auf der die Hauptstadt Apia liegt.

Wie Wikipedia schreibt, entschuldigte sich 2002 Helen Clark, Premierministerin Neuseelands, offiziell für die „inkompetente und unangemessene Behandlung Samoas während der ersten Jahre neuseeländischer Verwaltung“. Eine Ahnung davon, wie der latente Rassismus ausgesehen hat, gibt das Buch ab dem zweiten Teil deutlich wieder. Zwar erhielt Samoa am 1. Januar 1962 erhielt West-Samoa als erstes fremd beherrschtes Land Polynesiens seine Unabhängigkeit wieder, aber die “Papalagi” und ihre Einflüsse behielten das Land dennoch in ihren Händen.

Ab in den Pazifik

Nachdem ich mir meiner Lücken in Ozeanien so schmerzlich bewusst wurde, habe ich mich pflichtbewusst in der Bibliothek bereichtert - Glück vielleicht auch, dass es überhaupt zur Ausleihe zur Verfügung stand. Aber ich habe gelernt, dass selbst in dieser verhältnismäßig kleinen Stadt eine vielseitige Bibliothek mit einigen Überraschungen aufwartet.

Tonga hatte ich vorgesehen, den Titel bei einer Mitreisenden abgeschrieben, weil ich selber nichts anderes gefunden hatte. Kein Wunder, steht im Nachwort jenes Buchs doch:

… kennen doch die Gesellschaften im Südpazifik keine schriftliche Tradition. Die englischsprachige einheimische Literatur im Südpazifik ist demzufolge noch jung: Sie entstand Anfang der siebziger Jahre im Umfeld der University of the South Pacific. Einer ihrer Gründerväter ist Epeli Hau’ofa.

Parallel zur Lektüre der Kurzgeschichten aus Tonga musste ich mich kräftig weiterbilden, denn viel wusste ich von Tonga nicht. Jetzt ist mehr klar, vor allem, dass meine Weltkarte sich zumindest optisch nicht verändern wird ;-)

Der Archipel umfasst die 169 früher auch Freundschaftsinseln (englisch: The Friendly Islands) genannten Tongainseln, von denen nur 36 bewohnt sind, sowie die beiden Minerva-Riffe. Tonga ist der einzige Staat in Ozeanien, der nie von Europäern kolonialisiert wurde. … Fläche: 48 km², rund 100.000 Einwohner, die mit Pa’anga zahlen.
Quelle: Wikipedia

Sehr aufschlussreich fand ich übrigens die Kommentare zur Wirtschaft in Tonga - ein Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen. Einfach dem Link zu Wikipedia folgen und selber linsen.

Ach ja, zwei Dinge noch, die zu diesem Eintrag unbedingt dazu gehören:

Rezension
Tonga Epeli Hau’ofa - Rückkehr durch die Hintertür

Ko e hingoa ʻo e kiʻi fonua ʻi he Pasfiki tongahihifo ko Tonga ia, pe ʻOtu motu ʻo Tonga pe Puleʻanga fakatuʻi ʻo Tonga. Ko e hingoa ʻOtu Angaʻofa pe ʻOtu Felenite (Friendly Islands) naʻe ʻoatu ʻe he ʻeikivaka ko Semisi Kuki.