Archiv der Kategorie Asien/Naher Osten

Herr Qiu oder Herr Xiaolong?

Bei meinem jüngsten Reisebeitrag fragte ich mich zu Beginn, ob ich nun ein Buch von Herrn Qiu oder ein Buch von Herrn Xiaolong gelesen habe *grübel* Soviel Verwirrung jedenfalls stammt aus China, da dort der Nachname voran gestellt wird. Die deutschen Verlage übernehmen das verständlicherweise, jedoch in meinem Fall ohne Hinweis darauf. Jetzt jedenfalls weiß ich Bescheid, was mich aber nicht daran gehindert hat, Herrn Qiu in meiner A bis Z-Krimi-Liste ganz dreist unter X zu führen.

Damit mir deshalb keiner böse ist, hier gleich der Link zur Rezension ;-)

Rezension
China Qiu Xiaolong - Tod einer roten Heldin

Schöne Grüße von Kim Jong-il

Schöne Grüße von einem Staatschef, den man niemals persönlich treffen wird, dem man aber bei einem Aufenthalt in Pjöngjang am laufenden Band begegnet: Auf Bildern, Plakaten, Wandmalereien, Abzeichen, Monumenten oder oder oder … und der Opern komponiert hat, auf Anhieb Golf gespielt hat wie ein junger Gott, der bereits als Student zahlreiche bedeutende Texte geschrieben hat und auch sonst eine Menge tut, was ein Wunderkind eben können muss.

Diese Weltreisestation hat das Zeug dazu, meine ungewöhnlichste zu werden. Dank des Comiczeichners Guy Delisle konnte ich Nordkorea besuchen, das Land mit dem weltweit geringsten prozentualen Ausländeranteil. Einwanderung ist hoffnungslos unattraktiv und die Ausländer, die man trifft, sind alle nur befristet im Land. Diplomaten, Ärzte, Mitarbeiter von NGO’s (Non Government Organization) oder eben Mitarbeiter aus der Comicindustrie, die norkoreanische Zeichner anleiten.

Doch selbst da, wo man ein bisschen mehr weiß, bleiben die Informationen vage. Ob Nordkorea nun an Comicfilme wie Pocahontas zugeliefert hat, wie kolportiert wird, bleibt offen - selbst, wenn bekannt ist, dass sich einige Comicstudios dort die Klinke in die Hand geben. Auch der Aufenthalt Delisles wäre beinahe ein Geheimnis geblieben, denn er musste einen Geheimhaltungsvertrag für seinen damaligen Arbeitgeber unterzeichnen. Doch der existiert nicht mehr und damit auch keine Schweigepflicht. Gut so!

Rezension
Nordkorea Guy Delisle - Pjöngjang

Médecins Sans Frontières

Die Médecins Sans Frontières, kurz MSF, machen immer wieder auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam, indem sie mit einem nachgebauten Flüchtlingslager in einer Stadt “gastieren” und dort auf die Situation in den Lagern aufmerksam machen. Eine hilfreiche Einrichtung, die es durchaus erleichtert, sich die Realität vor Augen zu führen, die für so viele Menschen den Alltag bestimmt und von der wir im Regelfall nur dann erfahren, wenn irgendwelche wenig erfreulichen Rahmenbedingungen für eine Berichterstattung in den Nachrichten reichen.

Auf der Website von MSF steht über die Zahl der Flüchtlinge: Obwohl Flüchtlingsbewegungen schon immer die Folge politischer Konflikte waren, hat die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Von 2,7 Millionen Flüchtlingen im Jahr 1976 stieg die Zahl auf 14 Millionen im Jahr 1999. Gleichzeitig nahm die Zahl der Menschen, die innerhalb ihrer Herkunftsländer vertrieben werden, kontinuierlich zu. Sie liegt heute schätzungsweise zwischen 21 und 25 Millionen.

Ich hatte die Gelegenheit, solch ein Lager in Winterthur zu sehen und bin dort auch auf eine Comic-Trilogie aufmerksam gemacht worden, die die Arbeit der MSF in Flüchtlingslagern in Afghanistan beschreibt. “Der Fotograf”, so auch der Titel, ist Didier Lefèvre, der als junger Mann die MSF 1986 nach Afghanistan begleitete. Kombiniert mit dessen Fotos entwickelte der französische Zeichner Emmanuel Guibert Jahre später einen Comic daraus. Ich habe mich heute folglich entschlossen, “Der Fotograf” als Beitrag für Afghanistan zu wählen. So erfahre ich nicht nur etwas über das Land selber, sondern gleich auch noch über die MSF, ihr Engagement und ihre Arbeit. Ich hoffe, dass ich schon bald Gelegenheit zur Lektüre habe, zeitlich passend zum Ausschlag gebenden Besuch im Flüchtlingslager.

Land 37: Laos

Weil die Reisen gerade so schön sind, gleich noch der Reiseeindruck aus dem einzigen Binnenland Südostasiens.

Ein wirklich exotisches Setting habe ich dort erlebt. Nicht nur, was das Land angeht, sondern auch bei Protagonisten und Umfeld. Wer würde schon eine Krimiserie starten mit einem 72 Jahre alten Pathologen, der diesen Job noch nicht einmal machen will? Zum Zeitpunkt, zu dem dieser Blogeintrag entsteht, hat Cotterill nach eigenen Angaben immerhin schon sechs Folgen von Dr. Siri fertig geschrieben. Dem alten Herrn ist also noch lange kein Ruhestand vergönnt. Wie ihm Genosse Kham bereist im ersten Band klar macht, arbeitet man im kommunistischen Laos so lange, wie man sich bewegen kann. Mir soll es zumindest literarisch gesehen Recht sein, denn an dem alte Herrn habe ich mein Gefallen gefunden.

Rezension
Laos Colin Cotterill - Dr. Siri und seine Toten

Die lange Jagd nach Marjane Satrapi …

… hatte mit einem unerwarteten Fund ein Ende. Mal wieder geht’s in die Stadt, mal wieder Bibliothek, mal wieder eine Fahrt im gläsernen Fahrstuhl, mal wieder Sparte Comics, mal wieder lässiges Blättern unter S … ein verdutzter Blick. Da strahlt doch glatt der Name Satrapi auf dem Cover! Hoppla, da prangte doch sonst nie das Gesuchte? Bin ich in der falschen Spalte, am falschen Ort?

Ich hatte wohl einen Glückstag, denn zwar war von Persepolis mal wieder weit und breit nichts zu sehen, dafür aber fand ich “Huhn mit Pflaumen”, eine Erinnerung an ihren Großonkel.

In der Süddeutschen Zeitung stand einmal über Marjane Satrapi, sie zeichne ihre Familiengeschichte nicht für iranische Leser, sondern für jene westliche Welt, die gewissermassen vor lauter Kopftüchern die Vielfalt der realen Gesichter des Iran nicht sehe. Was ich gelesen habe, war eine Geschichte über einen missmutigen Musiker, der sein Leben als gescheitert ansieht. Fand ich eigentlich eine ganz normale Geschichte und nichts Neues oder Besonderes. Politische Hintergründe tauchen maximal als Fußnote auf und davon gibt es nicht einmal eine Handvoll. Als Aufklärung jedenfalls rutschte dieser Comic nicht bei mir durch.

Rezension
Iran Marjane Satrapi - Huhn mit Pflaumen

Eine Liebesgeschichte vom Issyk-Kul-See

Nach einer Lesepause für die Weltreise kann ich heute über eine Tour nach Kirgisistan berichten. Die Pause war offensichtlich nötig, denn ich hatte mir zuvor ein Buch aus dem Iran besorgt, dass ich unbereisten Zustands wieder in die Bibliothek zurück brachte - ich hatte keine Lust auf Ausland. Das passiert einem Weltreisenden also auch. Jetzt aber bot eine Autofahrt die Gelegenheit, das lange gehortete Hörbuch von Tschingis Aitmatow aus Kirgisistan zu hören.

Beim Namen begegnet man in der Regel zwei Varianten: Tschynggys Aitmatow und Tschingis Aitmatow. Ich habe mich für die letztere Variante entschieden, weil derzeit alle veröffentlichten Bücher so betitelt sind.
Während des Hörens lernte ich auch, wo Kirgisistan eigentlich liegt. Ilijas, die Hauptperson, muss öfter nach China reisen und dort Ware abliefern. Ein Blick auf die Landkarte verrät: “Es grenzt im Norden an Kasachstan, im Südosten an China, im Süden an Tadschikistan und im Westen an Usbekistan. Die Hauptstadt ist Bischkek.” Ich hätte nicht einen der fünf Fakten gewusst…

Rezension
Kirgisistan Tschingis Aitmatow - Du meine Pappel im roten Kopftuch