Archiv der Kategorie Asien/Naher Osten

Reise in ein Kriegsgebiet

Zumindest die ersten beiden Bände der Afghanistan-Trilogie “Der Fotograf” von Didier Lefèvre konnte ich inzwischen lesen und ich bin froh drum, dass ich just diese Bücher für meine Weltreise ausgesucht habe. Nicht nur, weil ich damit eben Afghanistan besucht habe oder etwas mehr Einblick gewinnen konnte. In diesem Fall war auch die Machart des Buches etwas Besonderes: Die Fotos, die Lefèvre während seiner Reportage über die Médecins sans frontières MSF gemacht hat, werden durch Zeichnungen des Comic-Zeichners Emmanuel Guibert ergänzt. Eine ganz tolle Mischung, die nicht nur eine bebilderte Geschichte liefert, sondern auch persönliche Eindrücke sehr schön übermittelt. So hart diese Reise war, so sehr hat sie Lefèvre offensichtlich aber auch positiv beeindruckt: Bis zu seinem Tod 2007 reiste er immer wieder nach Afghanistan, um Bekannte wieder zu treffen.

Mehr als 4000 Fotos hat Lefèvre von seiner Reise mitgebracht. Nach seiner Rückkehr nach Paris wurde ihm eine Doppelseite in der Zeitung “La Libération” eingeräumt - mit einer Auswahl von sechs dieser Fotos.

In diesem Fall verlinke ich auf den ersten Band; derzeit gibt es auch schon einen Rückblick auf die Lektüre von Band 2, nur Band 3 muss noch etwas warten.

Rezension
Afghanistan Didier Lefèvre - Der Fotograf, Band 1

Afghanistan ist aufgetaucht ;-)

In meinem Beitrag vom 1.10.2009 hatte ich über die Ärzte ohne Grenzen berichtet, die in dem Comic “Der Fotograf” von Didier Lefèvre eine Rolle spielen. Das laut Katalog bei meinen Besuchen angeblich stets ausleihbare Buch erwies sich im bibliothekarischen Praxistext jedoch immer als bestens versteckt. Bis gestern! Ich habe als Entschädigung sogar Band 1 und 2 ergattern können, nur Band 3 blieb verschollen.

Jetzt aber geht es in den kommenden Tagen irgendwann nach Afghanistan. Lange genug musste ich auf das Ticket ja warten!

Eine weitere Pleite, diesmal ‘ne echte

Oh, was hatte ich mich vor einiger Zeit gefreut, dass ich bei billigbuch.de (spezialisiert auf Remittenden und Restexemplare) ein Buch für die Philippinen und eines für Indonesien aufgestöbert hatte. Doch aus der Lektüre wurde nix. An einem Tag X meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das ist jetzt aus zweierlei Hinsicht ärgerlich:

1. Ich muss jetzt natürlich diese beiden Länder nochmals irgendwo suchen. Was aber machbar und so arg nicht ist.
2. Die Firma hatte zwar den Betrieb eingestellt, ließ aber die ganzen Server mit all ihren Autorespondern weiterlaufen, sodass noch nach Insolvenzanmeldung die Zahlung bei mir angemahnt wurde und  auch der Versand nach eingegangener Zahlung bestätigt worden war. Bis ich gemerkt habe, dass von billigbuch nie mehr Post kommen wird, hat es also noch ein paar Tage gedauert.

Punkt 2 stößt dann schon sehr sauer auf. Auf ein Neues also und ich setze mich bei Gelegenheit nochmals an den Compi, um neuen Reiseproviant zu organisieren.

Aktuelle Buchbestellungen

So schnell kann das gehen: In der heutigen Ausgabe unserer Tageszeitung rezensierte die Kulturredakteurin kein Werk, das seit Erscheinen in jeder Buchhandlung steht. Sondern eines, was in einem richtig kleinen Verlag erscheint (Edition Kathmandu), aber ganz offensichtlich führt das Buch die Bestenliste “Weltempfänger” an, eine Bestenliste, die auf unbekanntes literarisches Terrain aufmerksam machen will. Was könnte besser passen zu einem Leseprojekt, das sich demselben Ziel widmet?

So fix und spontan habe ich - glaube ich - noch nie ein Buch nach dem ersten Kontakt damit bestellt. Wer ist der Glückliche? Es dreht sich um ein Buch aus Nepal und das ist definitiv ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte. Nicht nur der meinen, ich wette fast, dass das 97,36541 % aller anderen Leser hier auch so geht. Bestellt habe ich:

Samrat Upadhyay - Der Liebesguru

Auch drei andere Exoten finden in Kürze den Weg zu mir. Die Philippinen werden vertreten von William Marshall mit “Manila Bay”, Indonesien kommt in Gestalt von Pramoedya Ananta Toer mit seinem Buch “Spur der Schritte” und Yvonne Vera schickt mit “Eine Frau ohne Namen” ein Buch für Zimbabwe ins Rennen.

So eine Weltreise kann ich inzwischen aus zwei Gründen empfehlen. Der Lesespaß ist nämlich nur ein Teil davon. Mindestens ebenso viel Spaß macht die Suche nach Büchern, die in all den Ländern dieser Welt spielen.

Ausflug nach Anatolien

Jüngst konnte ich einen kurzen Abstecher nach Anatolien absolvieren. Ein kurzes Büchlein, das die Bibliothek doppelt hatte und für einen Franken abgab. Und dann das: Das Buch ist vom Autor signiert! Da hat sich die Bibliothek vom falschen Exemplar getrennt, glaube ich *g* Als ich das Buch vor einigen Tagen weitergab, verursachte der Autorenname ein kurzes Kichern: “Das ist der Mann von einer Bekannten…” So klein ist die Welt also.

Wie im vorigen Posting geschildert, gehört das Buch zum Katalog des Reisebüros für die kommenden Wochen auf meiner Weltreise und  mit dem Abstecher in die Türkei habe ich zugleich von der Region “Asien & Naher Osten” alle ursprünglich vorgesehenen fünf Länder der Route belesen.

In Epsioden erzählt das Buch davon, wie eine Anklage gegen einen jungen Imam einigen Dörfern indirekt etwas Gutes tut und ihnen eine Wasserleitung beschert. Mit reichlich Irrungen und aalglatt geht es beileibe nicht ab. Es würde hier vermutlich auch nicht schneller gehen, die Windungen wären nur andere, glaube ich.

Rezension
Türkei Yusuf Yeşilöz - Der Imam und die Eselin

Mafia ist überall

Nicht nur in Italien. Alexandra Marinina lässt ihre Ermittlungsspezialistin Anastasija Kamenskaja eine besondere Art der Mafia in Russland finden: In der großen STADT (deren Name stets so geschrieben wird und deren reellen Namen man nie erfährt) regiert ein Mann alleine. Er hat alles unter Kontrolle und rivalisierende oder nebeneinander arbeitende Gruppen gibt es nicht. Eine interessante Hypothese? Reine Theorie oder der Realität abgeguckt?

In der STADT jedenfalls scheint das Konzept aufzugehen und die Leute leben erstaulich positiv, aufgeweckt und genießen ihr Leben; der Herrscher weiß, geschickt die Balance zu halten. Was Anastasija zwar anerkennend zur Kenntnis nimmt, ihr aber dennoch Bauchschmerzen macht, als sie diesem Herrn helfen soll, eine “illegel” operierende Bande von Kriminellen auszuheben. Denn zwischen “kriminell” und “kriminell” macht der STADT-Herr noch große Unterschiede.

Rezension
Russland Alexandra Marinina - Auf fremdem Terrain