Archiv der Kategorie Amerika

Der Segen eines Freihandarchivs

Ach ja, eigentlich war ich auf der Suche nach meinem Buch aus Tonga. Gefunden hab ich’s auch, aber ein Zufallsfund wenige Bücher weiter ließ mich meine Reiseplanung über den Haufen werfen. Im Keller der Bibliothek stehen Archivregale, die sich mit Handrädern verschieben lassen; die entstehenden Gänge sind erfahrungsgemäß immer sehr eng und freilich ein Eldorado für begleitende Kinder. Besagtes Kind begann also, fröhlich Bücher nach hinten zu schubsen, heraus zu nehmen oder darin zu blättern. Ich hinterher und mühsam um Ordnung besorgt. Bis ein Buch in der Kinderhand auftauchte, dessen Schnittkanten schwarz eingefärbt waren und dem die Ecke oben rechts abgeschnitten war. Da war auch meine Neugier geweckt.

Der Titel klang klasse und der Autor war noch dazu aus Brasilien. Was will man als Weltreisende mehr? Seht selbst:

Rezension
Brasilien Paulo Rangel - Die Ermordung des Kriminalromans

Was ich im Nachhinein gemerkt habe: Einige Websiten führten dieses Buch unter “Jugendbuch”. Nun gut, es ist kein Buch, in dem das Blut trieft oder in dem es ein Kindern nicht zuträgliches Übermaß an Gewalt gibt; aber als Jugendbuch habe ich es nicht empfunden.

Hurtig, hurtig

Ja, ich habe noch einen Monat bis Ablauf der Ausleihfrist - aber die beiden Weltreise-Bücher meiner jüngsten Ausleihe lockten sehr. Also habe ich jede freie Minute mit ihnen verbracht. Dabei fiel mir mal wieder auf, wie erfreulich kurz manche Autoren schreiben können. Kurz nicht, weil ich dann schneller fertig wäre. Aber kurz, weil sie mit wenig Worten viel erzählen können und keine langen Abhandlungen brauchen. Ich bin nun mal kein Fan von Schwafelei und mache um allzu dicke Bücher einen Bogen.

Pablo De Santis Ausgangspunkt - Sprachen, Geheimsprachen, vergessene Sprachen - hätte manch ein anderer ausgewalkt und zur Untermauerung viele langweilige Dialoge um die Bedeutung und Entwicklung von Sprache eingefügt. Ich erinnere mich dunkel an Umberto Ecos dicken Schinken um die Rose, in dem ich ellenlange Diskussionen über juristische, religiöse und philosophische Themen überblätterte musste, weil mich die Mordserie deutlich mehr interessierte.

Rezensionen
Argentinien Pablo De Santis - Die Übersetzung
Sri Lanka Nury Vittachi - Der Fengshui-Detektiv

Sträflich vernachlässigt

Auf meiner Weltreise bin ich schon gut herumgekommen. Was auf alle Fälle noch bereist werden sollte, sind folgende Länder der ursprünglich geplanten Reiseroute:

Europa: Portugal
Afrika: Algerien - Marokko - Südafrika
Süd- und Zentralamerika: Brasilien - Kolumbien - Panama
Asien & Naher Osten: Syrien - Türkei
Nordamerika & Karibik: Canada - Cuba - Jamaica - Mexiko - Puerto Rico
Australien & Ozeanien: Australien - Neuseeland - Pitcairn Island - Samoa - Tonga

Bei meinem jüngsten Blick auf die bereisten Länder aber fielen mir zwei klaffende Lücken auf: Australien/Ozeanien sowie Nordamerika & Karibik. Aus der ersten Region habe ich in der Tat noch nicht ein einziges Buch gelesen, aus der zweiten nur eines, das noch nicht einmal auf der geplanten Route lag :-o

Sofortige Abhilfe tut Not und mir kam ein Zufallsfund gerade Recht:

Australien Susan Geason - Fish vor die Hunde

Keine marktfrische Ware sozusagen, aber das stört micht gar nicht. Es ist ein Krimi, es ist ein für mich neuer Ermittler und das alleine zählt. Dafür verspreche ich als Ausgleich, mir möglichst bald auch ein weiteres Buch aus dieser Region zu organisieren, damit die Lücken am anderen Ende der Welt nicht so auffällig groß bleiben. Das Buch von Robert Merle über Pitcairn Island bekomme ich hier sogar - auf französisch! In der Sprache habe ich schon lange nichts mehr gelesen und umso mehr sollte ich vielleicht auf dieses Buch achten.

In die städtische Bibliothek gehe ich ohnehin gerne, da die in einem sehr alten Haus untergebracht ist, mit Sichtmauerwerk und wunderbar restauriert. Man sollte es nicht glauben, aber man hat sieben Stockwerke dort zur Verfügung.

Neue Fundstücke

Diesmal ging ich gut vorbereitet in die Biblothek der nahen Stadt, um einige Lücken zu füllen. Die zufälligen Routenänderungen dominieren nämlich und die ursprünglich geplanten Länder geraten ein wenig ins Hintertreffen. Die Katalogsuche bei der städtischen Bibliothek ergibt, dass ich zwei weitere Reiseziele dort bekomme:

Sri Lanka Nury Vittachi - Der Fengshui-Detektiv
Argentinien Pablo De Santis - Die Übersetzung

Bei Pablo De Santis bekomme ich zwar nicht das geplante Buch, aber der Autor selber ist zu finden. Ein Treffer, den ich nicht mit jedem Namen habe. Bei Vittachi erwarte ich einen Krimi, zu finden im ersten Stock bei den Genre-Kollegen. Was der Rechner ausspuckt, ist ein Standort in der vierten Etage, unter “Esoterik” ;-) Der Buchtitel verleitete offensichtlich zu einer gnadenlos geradlinigen Verschlagwortung, ganz an Feng Shui ausgerichtet, gar nicht nach Detektiv. Vielleicht passt ja die Kua-Zahl von Vittachi besser zu 4 als zu 1? Aber das müssen die Fachleute herausfinden …

Ganz nebenbei traf ich auf einen türkischen Schriftsteller, den ich sofort für die kriminelle Europareise einsackte:

Türkei Celil Oker - Letzter Akt am Bosporus

Für robuste Seelen

Einen kurzen Trip nach Österreich (Non-Fiktion) habe ich für eine Parallelreise nach Afrika (Fiktion) genutzt:

Rezension
Kenia Meja Mwangi - Nairobi, River Road

Der kenianische Alltag in der Stadt ist nur was für robuste Seelen. Wie sagte Ben, die Hauptperson, sinngemäß: Bakterien kriegen einen Afrikaner nicht tot. Aber Autos und Hunger, die schaffen das.Heftiger Tobak jedenfalls und ein Buch, das mich beeindruckt hat.

Außerdem hatte ich die Gelegenheit, ein wahres Fundstück zu lesen: Ich habe einen Teil der Bücher ja einfach in meine Weltreise aufgelistet, weil es sie gab - ohne Rücksicht darauf, ob und wo ich sie bekommen würde. Das hat zu mancher Umbuchung geführt, weil keine Bibliothek einen speziellen Titel zur Verfügung stellen konnte. Das Buch aus Chile jedoch fand ich zufällig in einem Antiquariat - mit dem fassungslosen Erstaunen “Das gibt’s doch gar nicht, welch ein Zufall!” wurde das Buch selbstverständlich mitgenommen.

Rezension
Chile Ramón Díaz Eterovic - Kater und Katzenjammer

Alles neu macht der Mai

Damit auch wirklich alles neu erscheint ;-) liefere ich gleich drei Bücher ab.

Speziell das u.g. Werk der Britin Muriel Spark musste ursprünglich auf den SUB, weil es auf der Liste der Worstseller des Jahres 2006 gelandet war. Ganze sechs Exemplare verkauften sich. Wobei aber auch klar war, dass kein Verlag wagen würde, misslungene Griffe neueren Datums zu benennen (die Erstveröffentlichung in Deutschland erfolgte 1982!) - aber egal, die Neugier war geweckt.

Nagib Machfus war mir in der hiesigen Bibliothek aufgefallen, weil die drei seiner Bücher ausgemustert hatten und diese gleich an der Garderobe - bestens sichtbar - angeboten wurden. Recherchen im WWW ergaben: Ägypten, Nobelpreisträger. Beuteschema voll erfüllt => einsacken!

Bill Bryson wiederum stand ohnehin auf dem Bücherregal und was ihn attraktiver machte als andere USA-Autoren, war die Tatsache, dass er jahrelang im Ausland gelebt hatte und selber gerne und viel reist. Ein reisender Autor für eine literarische Weltreise passt ganz hervorragend!

Rezensionen
USA Bill Bryson - Streiflichter aus Amerika
England Muriel Spark - Vorsätzlich Herumlungern
Ägypten Nagib Machfus - Die Reise des Ibn Fattuma