Archiv der Kategorie Afrika

Die Frauen meines Vaters

- dieser Buchtitel machte mich neugierig. Heute frisch mit der Post eingetroffen ist mein kommender Beitrag zu Angola, geschrieben von José Eduardo Agualusa. Das Besondere daran: Ich werde dieses Buch in einer Leserunde lesen und mich mit anderen online austauschen. Im Forum von Literaturschock geht es am 19.11. los und ich freue mich, wenn sich der eine oder andere noch anschließt.

Angola wird meine 10. afrikanische Reisestation und meine 54. Station auf der Weltreise.

Kann ich Euch mit einer Kurzbeschreibung noch neugieriger machen?

Faustino Manso, ein berühmter angolanischer Musiker, hinterlässt nach seinem Tod sieben Frauen und 18 Kinder. Als seine jüngste Tochter Laurentina, eine in Portugal lebende Filmemacherin, von ihrem Vater erfährt, reist sie nach Angola, um das turbulente Leben des verstorbenen Musikers nachzuzeichnen. Faustinos Spuren führen Laurentina und ihre drei Mitreisenden Mandume, Bartolomeu und Pouca Sorte durch Küstenstädte des südlichen Afrika, von Angola über Namibia nach Südafrika und Mosambik. Auf ihrer Suche lernen sie Faustinos Frauen, Musikerkollegen und Kinder kennen, und es entsteht das Bild eines vielseitigen, aber auch widersprüchlichen Mannes, der durch Charme und Musik einen tiefen Eindruck im Leben vieler Menschen hinterlassen hat.
Parallel dazu schildert José Eduardo Agualusa seine eigene, reale Reise mit der englischen Dokumentarfilmerin Karen Boswall und dem Fotografen Jordi Burch. Die Pfade beider Reisen liegen so nah beieinander, dass Wirklichkeit und Fiktion zu sich gegenseitig bedingenden und Spannung erzeugenden Gefährten werden. Leicht, humorvoll und vielstimmig breitet Agualusa ein Panorama des südlichen Afrika aus, seiner kolonialen Vergangenheit und seiner kulturellen und gesellschaftlichen Gegenwart. 

Aktuelle Buchbestellungen

So schnell kann das gehen: In der heutigen Ausgabe unserer Tageszeitung rezensierte die Kulturredakteurin kein Werk, das seit Erscheinen in jeder Buchhandlung steht. Sondern eines, was in einem richtig kleinen Verlag erscheint (Edition Kathmandu), aber ganz offensichtlich führt das Buch die Bestenliste “Weltempfänger” an, eine Bestenliste, die auf unbekanntes literarisches Terrain aufmerksam machen will. Was könnte besser passen zu einem Leseprojekt, das sich demselben Ziel widmet?

So fix und spontan habe ich - glaube ich - noch nie ein Buch nach dem ersten Kontakt damit bestellt. Wer ist der Glückliche? Es dreht sich um ein Buch aus Nepal und das ist definitiv ein weißer Fleck auf der literarischen Landkarte. Nicht nur der meinen, ich wette fast, dass das 97,36541 % aller anderen Leser hier auch so geht. Bestellt habe ich:

Samrat Upadhyay - Der Liebesguru

Auch drei andere Exoten finden in Kürze den Weg zu mir. Die Philippinen werden vertreten von William Marshall mit “Manila Bay”, Indonesien kommt in Gestalt von Pramoedya Ananta Toer mit seinem Buch “Spur der Schritte” und Yvonne Vera schickt mit “Eine Frau ohne Namen” ein Buch für Zimbabwe ins Rennen.

So eine Weltreise kann ich inzwischen aus zwei Gründen empfehlen. Der Lesespaß ist nämlich nur ein Teil davon. Mindestens ebenso viel Spaß macht die Suche nach Büchern, die in all den Ländern dieser Welt spielen.

Doppelpasch

Wirklich bemerkenswert: Manchmal kommt man wochenlang nicht weg vom Fleck, danach sammelt man innert kürzester Zeit Lesemeilen wie verrückt. Bei mir ging der Flug zunächst in die Türkei, von dort nach Neuseeland und vom anderen Ende der Welt ging es mit einem Zwischenstopp in der Elfenbeinküste wieder nach Hause.

Der Türkei war ja bereits mein voriger Eintrag gewidmet. Mit Neuseeland betrat ich - zumindest literarisch gesehen - kein Neuland, da ich Ngaio Marsh schon als Kind gerne gelesen habe und für diese Reise gerne bei ihr Station gemacht habe. Ich wüsste keinen Krimi von ihr, der in Neuseeland spielt, aber der Geburtsort zählt…

…wie auch bei meinem Abstecher in die Elfenbeinküste, den ich in Begleitung von Ahmadou Kourouma gemacht habe. Ich hatte in der Bibliothek ein Hörbuch aus der Reihe “Afrika erzählt” ergattert und das war eine gute Wahl. Kourouma ist wie seine Titelperson Koyaga beim Militärdienst gewesen, eben auch in Indochina. Koyaga selbst gerät durch ein Missverständnis zum Militär: In der Sprache der Malinké kannte man nur ein Wort für Kampf, Streit und Krieg. Für Koyaga also selbstverständlich, dass er sich als unerschrockener Kämpfer bei den Franzosen behaupten muss. Den Unterschied lernt er schnell und er überlebt im Gegensatz zu vielen Kameraden die Einsätze.

Kourouma hat mit seiner kritischen Haltung lange im Exil gelebt. Nach der Geburt in der Elfenbeinküste und der Schulzeit in Malilebt er nach 1964 im Exil in Algerien, Kamerun und Togo, bevor er wieder in die Heimat zurückkehren darf. Kourouma erhält u. a. den  Grand Prix littéraire de l’Afrique noire und den Prix Renaudot. Seit 2004 gibt es übrigens einen Preis, der Kouroumas Namen trägt: Der Prix Ahmadou Kourouma vom Internationalen Salon des Buches und der Presse in Genf verliehen. Ausgezeichnet wird ein Roman oder Essay, der sich mit dem Afrika südlich der Sahara befasst - so die Ausschreibung.

Rezensionen
Elfenbeinküste Ahmadou Kourouma - Die Nächte des großen Jägers
Neuseeland Ngaio Marsh - Ouvertüre zum Tod

Politische Ansichten

… verbreitet Nuruddin Farah zuhauf in seinem Roman “Vater Mensch”. Mein Beitrag über Somalia, den ich vor über zwei Jahren im Baumarkt ergattert habe. Die Lektüre war nicht allzu erhellend, weil ich oft genug fast eingeschlafen wäre - ich gebe es zu. Hauptperson Deeriye und seine Theorien über den Staat und Recht und so weiter halten einen wirklich nicht wach und ich empfehle künftigen Lesern jedenfalls die Lektüre zu helleren Zeiten. Einen Reread / eine Wiederholungslektüre werde ich selbst nicht wagen. Ob es einfacher ist, wenn man die anderen beiden Teile zuvor gelesen hat?

“Vater Mensch” ist der dritte Teil der Trilogie Variationen über das Thema einer afrikanischen Diktatur. Die Trilogie ist locker zwanzig Jahre alt, hat für ihre deutsche Übersetzung allerdings erst um das Jahr 2000 herum einen Verlag gefunden. Unzeitgemäß ist Farahs Text damit allerdings noch lange nicht, den krisengeschüttelt ist Somalia nach wie vor und die Schwelle zwischen dem Frieden und dem Griff zur Waffe ist klein. Dafür gibt es bei Farah noch eine kleine Portion somalische Geschichte, denn Deeriye kennt die Zeiten der italienischen Kolonialherrschaft. Genauso wenig eine Zeit des Zuckerschleckens wie die Zeit danach. Die Geschichte Somalias liest sich wieder Bericht über ein Puzzlespiel, das kein Ende findet:

Das Land am Horn von Afrika entstand aus dem Zusammenschluss zweier Kolonialgebiete: Britisch Somaliland und Italienisch-Somaliland; diese wurden 1960 gemeinsam unabhängig. Danach gab es eine autoritäre Regierung, die 1991 gestürzt wurde und seither gab es offensichtlich keine einzige international anerkannte Regierung. Das Puzzle geht weiter, denn die existierende (Übergangs-)Regierung regiert nur theoretisch fast alles: Der Norden des Landes ist als Somaliland unabhängig, von der internationalen Gemeinschaft allerdings nicht anerkannt und auch ansonsten haben lokale Clans und andere mitunter mehr zu sagen. Nicht zuletzt gibt es weitere Gebiete, die gerne unabhängig wären. Da Farahs Buch von 1983 ist, sollte bei Interesse an der zeitnahen Situation zu anderer Lektüre gegriffen werden.

Rezension
Somalia
Nuruddin Farah  - Vater Mensch

Zur Abwechslung ein Kinderbuch

Meine Afrikareise hat mir ein Kinderbuch beschert. Das fiel mir in der Bibliothek in die Hände, als ich gerade etwas Passendes für meine Tochter suchte. Dabei passte es für mich einiges besser *g*Der Ausflug zu den Kinderbüchern hat sich in diesem Fall nicht so richtig gelohnt, da ich das Buch zu wenig als ghanesich empfand.

In Ghana gibt es 79 verschiedenen Sprachen und Idiome - eine verblüffende Vielfalt. In welcher Sprache das Lied der bunten Vögel geschrieben ist, konnte ich allerdings nicht herausfinden; dafür verriet mir eine Bekannte allerdings, dass die Übersetzung des Liedtextes wenig mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat.

Wer Alternativen für Ghana sucht, dem sei die Liste ghanaischer Schriftsteller der Wikipedia empfohlen, aus der ich mich bei Gelegenheit wahrscheinlich auch noch bedienen werde.

Rezension
Ghana Kobna Anan / Omari Amonde - Das Lied der bunten Vögel

Von Schrecken und Terror

Keine leichte Kost bietet Yasmina Khadra, ein algerischer Autor, der die Vornamen seiner Frau als Pseudonym gewählt hat. Seit 2000 lebt er im französischen Exil und wer eines seiner Bücher gelesen hat, versteht wahrscheinlich, warum seine Werke zumindest bei fundamentalistisch geprägten Algeriern nicht gut ankommen. Dabei steht er nicht nur ihnen kritisch gegenüber, sondern nennt durchaus die Ursachen beim Namen, denn die wirtschaftlichen Probleme - die mehr schlecht als recht bekämpft werden - machen es radikalen Gruppen einfach.

Das Buch spielt in den 1990er Jahren und ich habe im Web gesurft, um die Hintergründe wenigstens ein bisschen einordnen zu können. Ganz ohne Hintergrundwissen ging es nicht. Kürzel und Namen sind im Buch meist in Fußnoten erklärt und dennoch helfen ein Blick ins Lexikon oder ein Klick ins Netz. Islam hin oder her, Khadras Dorf Ghachimat könnte überall sein, eine Blaupause für ein Dorf inmitten eines beginnenden Terrorregimes.

Rezension
Algerien Yasmina Khadra - Die Lämmer des Herrn

Algerien ist nach dem Sudan das zweitgrößte Land Afrikas. Interessant fand ich den Wikipedia-Exkurs über die Bevölkerung: Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleich; 96 % der Einwohner leben im Norden auf einem Fünftel der Staatsfläche. Wen verwundert’s, wenn der Waldanteil gerade mal 2 % beträgt und etwa vier Fünftel des Landes nahezu vegetationslos sind und man seit Jahren versucht, die weitere Ausbreitung der Wüsten mit Aufforstungsprojekten einzudämmen.

Für die Fans von Trivial Pursuit-Wissen hier noch ein Detail: Rabah Madjer war der erste Fußballspieler Afrikas, der mit seinem portugiesischen Club FC Porto die Champions League gewinnen konnte.