Archive für Oktober 2011

Bangkok für Nicht-Touristen

Thailand gilt als absolutes Traumziel für Fernreisende. Aktuell könnte man zum Beispiel ab 1700 Euro am Changlang Beach (Foto) in einem 5-Sterne-Resort unterkommen. Nicht ganz das Revier von Vincent Calvino, einem US-amerikanischen Privatdetektiv, der in Bangkok lebt. Das tut er gemeinsam mit rund 7 Millionen anderer Einwohner und solche eine Metropole hat ausreichend Schattenseiten. Mit Calvino geht es in diesem Buch in die Slums (10% der Einwohner von Bangkok leben ins Slums) und die Vergnügungsviertel für die Ausländer. Unter denen hat der namensgebende Nana Plaza einen bekannten Status.

Von den herausragenden Sehenswürdigkeiten Bangkoks ist bei Calvino keine Rede. Dabei wäre die Tempelanlage Wat Phra Kaeo absolut sehenswert. Doch dafür gibt es keine Gelegenheit, denn der Job des Privatdetektivs dreht sich um Cybersex und Bars voller Mädchen; die Bar-Adressen kursieren mit Fotos dekoriert auf einschlägigen Webseiten. Wikipedia meint, dass just in Thailand der Anteil der Touristen an der Gesamtzahl der Kunden der Prostituierten relativ gering sei, doch besser macht das die Sache nicht und außerdem gibt es noch die hässliche Begleiterscheinungen wie Korruption, Menschenhandel, Krankheiten und Kinderprostitution.

Rezension
Thailand Christopher G. Moore - Nana Plaza

Da vergeht der Appetit

wenn in der Knochenmühle der Grillstation Löschenkohl Menschenknochen auftauchen. Grrrrruselig. Mit so etwas schlägt sich Simon Brenner herum. Mir wären Nockerln, Kaiserschmarrn oder Ähnliches doch lieber. Aber vielleicht hätte man im Löschenkohl in diesem Fall noch das Mehl zum Strecken der Zutaten benutzt. Grrrrruselig.

Damit keiner aus Furcht  vor dem österreichischen Essen verhungert, hier die unverfälschte Alternative zum Hendl vom Löschenkohl:

KAISERSCHMARRN
3 Eier
500 ml Milch
1 TL Zucker
1 Prise Salz
350 g Mehl
Rosinen
etwas Sprudel
30 g Butter
Puderzucker

Eigelb vom Eiweiss trennen. Die Milch mit dem Eigelb, Zucker und Salz in eine Rührschüssel und mit dem Schneebesen gut verrühren. Das Mehl unter ständigem Rühren einstreuen, bis eine dickflüssigere Masse entsteht und dann die Rosinen einrühren (man kann sie weglassen, aber MIT schmeckt der Schmarrn einfach besser - oder Apfelstückchen …. lecker!!). Ein Schuss Sprudel sorgt dafür, dass der Schmarrn lockerer wird. Das Eiweiss zu Schnee schlagen und unterheben und zum Schluss kommt die geschmolzene Butter dazu.

Den Teig lässt man in der Pfanne, bis die Unterseite fest ist, dann wird mit einem Pfannenwender geteilt und gewendet. Erst dann wird der Schmarrn mit Gabeln zerrissen und fertig gebraten. Zur Dekoration mit Puderzucker bestreuen.

Zum Nachtisch:

Rezension
Österreich
Wolf Haas - Der Knochenmann

Naurus Nachbarn

habe ich im Anschluss besucht: Die Solomonen. Ich gebe zu, bei diesem Reiseziel zählt nicht der Autor, sonder nur der Schauplatz: Eigentlich dreht es sich im Buch einer amerikanischen Autorin um amerikanische Broadway-Schauspielerinnen. Doch die waren im 2. WK tatsächlich in der Südsee unterwegs, um den dort stationierten Soldaten mit Shows Motivation und Unterhaltung zu bringen. Organisiert wurde das von der USO (United Service Organizations), die 1941 gegründet wurde. Die USO ist bis heute aktiv.

Die Solomonen, eine Inselgruppe im Pazifik, waren Schauplatz intensiver Kämpfe zwischen den USA und Japan war. Ganz in der Nähe des Buchschauplatzes Tulagi fand zuvor eine lange Schlacht um die Insel Guadalcanal statt und auch im Buch gehören Passagen über immer wieder stattfindende Gefechte zum Geschehen. Mehr als 40 Schiffe sind während des Krieges nördlich von Guadalcanal versenkt worden und die einst Savo Sound genannte Meerenge heißt seither Ironbottom Sound.

Rezension
Solomonen Kathryn Miller Haines - Miss Winter lässt nicht locker

21 Quadratkilometer

groß war eines meiner jüngsten Reiseziele. Ganz so lange wollte ich also doch keine Reisepause machen. Ich beginne am besten mit der Anreise dorthin:

Der einladende Autor erzählt, dass schon der Kauf der Tickets abenteuerlich war, weil keiner so recht wusste, wohin er wollte. Als die Tickets dann da waren, ging es von Frankreich erst nach Australien, dann auf die Fidschis. Dort wurde der Flieger voll gepackt mit Menschen und Gütern gleichermaßen und dann ging es nach einem Zwischenstopp auf Kiribati zum Ziel. Der Flieger geht im Anschluss noch auf die Salomon Islands, bevor er auf die Fidschis zurückkehrt. Wie das Ziel heißt? Zum Mitschreiben: NAURU!

Diese winzige Insel war dank des Bodenschatzes Phosphat (wichtig für Dünger) einst ein echtes Wirtschaftswunderland, das aber vor lauter Wunder die Realität vergessen hat. Die Insel schwamm im Geld und keiner hat auch nur ansatzweise wahrhaben wollen, dass Geld nicht unendlich ist - und dass letztlich auch die mickrige Insel nicht ewig Phosphat würde hergeben können. Beim Ausgeben haben schlechte Ratgeber aus dem Auslad tatkräftig geholfen, denn die hatten vorrangig vor, ihre eigenen Geldbeutel auf Naurus Kosten zu füllen.

Alles in allem hat der Franzose Luc Folliet eine sehr spannende und lehrreiche Geschichte recherchiert. Ich finde es absolut lesenswert, über wirtschafltiche Spinnereien zu lesen, die in ähnlicher Form immer wieder passieren und auch aktuell zu passieren scheinen. Da Nauru so unbekannt ist, lässt sich schwerlich sagen, ob jemand was aus dem Fall dieses Staates lernt. Doch wäre es wirklich anders, wenn Nauru bekannter wäre?

Rezension
Nauru Luc Folliet - Nauru, die verwüstete Insel

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