Archive für August 2011

Ich brauche eine Pause

weil meine letzten Reisen nach Portugal und Südafrika wirklich beide kurz vor dem Kollaps gestanden haben. Zweimal hintereinander standen beide Lektüren wegen Langeweile kurz vor dem Abbruch. Nun schiffe ich mich kurzerhand erst einmal nach Frankreich und nach Italien ein, bevor ich mich an neue Ziele mache.

Vorhanden sind eine Menge, vor allem die aus der Bibliothek haben gerade Vorrang, da ich nicht beliebig verlängern kann. Nach dem Füllen meiner Leselusttanks stehen der Libanon, Georgien sowie die Mongolei zur Auswahl.

Täglich grüßt Melancholie

“Der letzte Fado” ist mein Portugal-Ausflug überschrieben.Und nachdem ich nachgeschlagen habe, was Fado eigentlich ist, passt dieser Titel bestens zum gesamten Buch. Wikipedia klärt mich auf, ein Fado handle meist von unglücklicher Liebe, der Sehnsucht nach besseren Zeiten und “drückt jenen Schmerz aus, der die Portugiesen miteinander verbinden soll”. Vor allem enthalte der Fado saudade.

Unter diesem Stichwort geht die ganze Tragik weiter: “eine spezifisch portugiesische Form des Weltschmerzes”. Übersetzungen wie Traurigkeit, Wehmu, Sehnsucht oder Melancholie würden nur einigermaßen passen. “Das Wort steht für das nostalgische Gefühl, etwas Geliebtes verloren zu haben, und drückt oft das Unglück und das unterdrückte Wissen aus, die Sehnsucht nach dem Verlorenen niemals stillen zu können, da es wohl nicht wiederkehren wird.”

Auwei! Ich habe eine Überdosis davon abbekommen und angesprochen hat mich das Buch vor lauter saudade gar nicht. Soviel für meine Begriffe grundlose Melancholie ist ziemlich ermüdend und nicht umsonst sagt wohl eine der Personen auf einer Reise auch, sie wolle viel schlafen. Ich habe mit Ach und Krach mitbekomme, wer wen und warum umgebracht hat, weil ich irgendwann die saudade gar nicht mehr lesen wollte, sondern nur noch quergelesen habe, damit ich noch genug Mumm zum Rasen mähen, mit Filz basteln, Zähne putzen, Geschirrspüler ausräumen, Marmelade kochen etc behalte. Man müsse Portugiese sein, um saudade zu verstehen, heißt es. Ich sehe das ganz genauso.

Rezension
Portugal  Francisco José Viegas - Der letzte Fado

Komisches Buch

Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie grausam Einsamkeit auf einer südafrikanischen Farm sein kann, sieben Wegstunden vom nächsten Nachbarn entfernt. Ich frage mich aber auch, warum sich Europäer ausgerechnet in flirrender, wenig lebensfreundlicher Hitze breitmachen mussten und  so eine Gegend freiwillig als Kolonialherren bezogen haben.

Magda jedenfalls hat - vielleicht gerade wegen Hitze und Einsamkeit? - für meine Begriffe richtig einen Hau wegbekommen. Warum auch immer, Coetzee erklärt das in seinem Buch nicht richtig. Er erklärt überhaupt sehr wenig und seine Magda lässt alles richtig in der Schwebe - nie weiß man, was sie nun herbeispinnt und was Realität ist.

Für einen Eindruck von Südafrika zu Zeiten der Apartheid taugt dieses Buch nichts; es ist zu sehr ein Kammerspiel, fokussiert auf diese eine Farm mitten im Niemandsland. Auf einen Eindruck aber hatte ich spekuliert, zumal Coetzee 2003 den Literaturnobelpreis erhielt. In seiner Pressemeldung zum Preis würdigte das Komittee dieses Buch so:

One element in his next novel, In the Heart of the Country, is the portrayal of psychosis. A careworn spinster living with her father observes with distaste his love affair with a young coloured woman. She has fantasies of murdering both of them, but everything seems to indicate that she decides rather to immure herself in a perverse pact with the house servant. The actual sequence of events cannot be determined, as the reader’s only sources are her notes, where lies and truths, crudeness and refinement alternate capriciously line by line. The high-flown Edwardian literary style of the woman’s monologue harmonises strangely with the surrounding African landscape.

Ich bin mir mit dem Komittee in einigen Punkten wirklich einig, aber speziell aus diesem Buch kann ich die Faszination für Coetzee nicht nachvollziehen. Wobei mir hier der Autor grundsätzlich einen neuen Versuch Wert ist. Auswahl habe ich ja genug.

Rezension
Südafrika J.M. Coetzee - Im Herzen des Landes

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