Archive für Oktober 2009

Das 40. Land

Das vierzigste Land meiner Weltreise lag quasi um die Ecke: Italien. Für diese Leseerfahrung musste ich mich mit dem Autor des Buchs allerdings in den Stau stellen. In flirrender Hitze. Ich habe durchgehalten; freundlicherweise war das Buch kürzer als der Stau lang war. Ein amüsantes, treffendes Buch mit einem überraschenden Schluss.

Rezension
Italien Carlo Lucarelli - Autostrada

Mit den Fingern lesen

kann man meinen Weltreisebeitrag aus Venezuela. Die Grafikerin Menena Cottin hat ein Buch entworfen, um Sehenden die Wahrnehmug der Blinden etwas näher zu bringen. Dabei kombiniert sie eine auffällige und ansprechende Aufmachung des Buchs mit einem Exkurs über Farben, die als solche nie auftauchen - eine Kombination, die die Diskrepanz in der Wahrnehmung auf attraktive Art deutlich macht.

Rezension
Venezuela Menena Cottin - Das schwarze Buch der Farben

Über die Entstehung des Namens Venezuela gibt es zwei Legenden (siehe Wikipedia). Bemerkenswert finde ich, dass beide Legenden ihre Quellen offensichtlich in derselben Schiffsmannschaft haben. Amerigo Vespucci habe Pfahlbauten an der Küste der Guajira-Halbinsel gesehen und diese hätten ihn an Venedig erinnert. Aus “Venezia” sei dann “Venezuela” entstanden.

Martín Fernández de Enciso war Mitglied der gleichen Mannschaft und er wiederum kommt auf eine ganz andere Herkunft: Bei ihm leitet sich der Name schlicht von einem bewohnten Felsen namens “Veneciuela“ ab.

Uruguay verfolgt mich ;-)

Zu den elementaren Bestandteilen meiner Weltreise gehört eine Merkliste, auf der ich Länder und potenzielle Autoren notiere, sobald ich über sie stolpere. Unter Uruguay stand da über Wochen hinweg der Name von Cristina Peri Rossi. Sie hatte ich auserkoren, weil die hiesige Bibliothek Bücher von ihr zur Verfügung hatte. Der Zufall wollte es, dass ich letzte Woche ein Buch von ihr im Remittendentisch fand. Wunderbar! Ich wollte schon zugreifen, als ich den Titel sah und mir den Klappentext von Die Zigarette. Leben mit einer verführerischen Geliebten näher anschaute. Eine Kulturgeschichte und eine Liebeserklärung an die Zigarette war das wohl. Nichts für eine Nichtraucherin.

Auf der Merkliste gab es nach diesem Bummel also nichts zu streichen. Bis gestern. Ganz unerwartet zog ich einUruguay-Buch aus dem Regal, ein Franken sollte es kosten und da habe ich kurzentschlossen zugegriffen:

Mario Delgado Aparaín -  Februarmond

Cristina Peri Rossi verschwand also doch von der Merkliste, wenn auch ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe.

Médecins Sans Frontières

Die Médecins Sans Frontières, kurz MSF, machen immer wieder auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam, indem sie mit einem nachgebauten Flüchtlingslager in einer Stadt “gastieren” und dort auf die Situation in den Lagern aufmerksam machen. Eine hilfreiche Einrichtung, die es durchaus erleichtert, sich die Realität vor Augen zu führen, die für so viele Menschen den Alltag bestimmt und von der wir im Regelfall nur dann erfahren, wenn irgendwelche wenig erfreulichen Rahmenbedingungen für eine Berichterstattung in den Nachrichten reichen.

Auf der Website von MSF steht über die Zahl der Flüchtlinge: Obwohl Flüchtlingsbewegungen schon immer die Folge politischer Konflikte waren, hat die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen. Von 2,7 Millionen Flüchtlingen im Jahr 1976 stieg die Zahl auf 14 Millionen im Jahr 1999. Gleichzeitig nahm die Zahl der Menschen, die innerhalb ihrer Herkunftsländer vertrieben werden, kontinuierlich zu. Sie liegt heute schätzungsweise zwischen 21 und 25 Millionen.

Ich hatte die Gelegenheit, solch ein Lager in Winterthur zu sehen und bin dort auch auf eine Comic-Trilogie aufmerksam gemacht worden, die die Arbeit der MSF in Flüchtlingslagern in Afghanistan beschreibt. “Der Fotograf”, so auch der Titel, ist Didier Lefèvre, der als junger Mann die MSF 1986 nach Afghanistan begleitete. Kombiniert mit dessen Fotos entwickelte der französische Zeichner Emmanuel Guibert Jahre später einen Comic daraus. Ich habe mich heute folglich entschlossen, “Der Fotograf” als Beitrag für Afghanistan zu wählen. So erfahre ich nicht nur etwas über das Land selber, sondern gleich auch noch über die MSF, ihr Engagement und ihre Arbeit. Ich hoffe, dass ich schon bald Gelegenheit zur Lektüre habe, zeitlich passend zum Ausschlag gebenden Besuch im Flüchtlingslager.

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