Archive für August 2009

Von Schrecken und Terror

Keine leichte Kost bietet Yasmina Khadra, ein algerischer Autor, der die Vornamen seiner Frau als Pseudonym gewählt hat. Seit 2000 lebt er im französischen Exil und wer eines seiner Bücher gelesen hat, versteht wahrscheinlich, warum seine Werke zumindest bei fundamentalistisch geprägten Algeriern nicht gut ankommen. Dabei steht er nicht nur ihnen kritisch gegenüber, sondern nennt durchaus die Ursachen beim Namen, denn die wirtschaftlichen Probleme - die mehr schlecht als recht bekämpft werden - machen es radikalen Gruppen einfach.

Das Buch spielt in den 1990er Jahren und ich habe im Web gesurft, um die Hintergründe wenigstens ein bisschen einordnen zu können. Ganz ohne Hintergrundwissen ging es nicht. Kürzel und Namen sind im Buch meist in Fußnoten erklärt und dennoch helfen ein Blick ins Lexikon oder ein Klick ins Netz. Islam hin oder her, Khadras Dorf Ghachimat könnte überall sein, eine Blaupause für ein Dorf inmitten eines beginnenden Terrorregimes.

Rezension
Algerien Yasmina Khadra - Die Lämmer des Herrn

Algerien ist nach dem Sudan das zweitgrößte Land Afrikas. Interessant fand ich den Wikipedia-Exkurs über die Bevölkerung: Die Bevölkerungsverteilung ist sehr ungleich; 96 % der Einwohner leben im Norden auf einem Fünftel der Staatsfläche. Wen verwundert’s, wenn der Waldanteil gerade mal 2 % beträgt und etwa vier Fünftel des Landes nahezu vegetationslos sind und man seit Jahren versucht, die weitere Ausbreitung der Wüsten mit Aufforstungsprojekten einzudämmen.

Für die Fans von Trivial Pursuit-Wissen hier noch ein Detail: Rabah Madjer war der erste Fußballspieler Afrikas, der mit seinem portugiesischen Club FC Porto die Champions League gewinnen konnte.

Land 37: Laos

Weil die Reisen gerade so schön sind, gleich noch der Reiseeindruck aus dem einzigen Binnenland Südostasiens.

Ein wirklich exotisches Setting habe ich dort erlebt. Nicht nur, was das Land angeht, sondern auch bei Protagonisten und Umfeld. Wer würde schon eine Krimiserie starten mit einem 72 Jahre alten Pathologen, der diesen Job noch nicht einmal machen will? Zum Zeitpunkt, zu dem dieser Blogeintrag entsteht, hat Cotterill nach eigenen Angaben immerhin schon sechs Folgen von Dr. Siri fertig geschrieben. Dem alten Herrn ist also noch lange kein Ruhestand vergönnt. Wie ihm Genosse Kham bereist im ersten Band klar macht, arbeitet man im kommunistischen Laos so lange, wie man sich bewegen kann. Mir soll es zumindest literarisch gesehen Recht sein, denn an dem alte Herrn habe ich mein Gefallen gefunden.

Rezension
Laos Colin Cotterill - Dr. Siri und seine Toten

Des Rätsels Lösung

lautet Samoa. Wer am linken Bildrand genau hinschaut, erkennt in der unteren Bildhälfte drei kleine Punkte, von denen der obere rot angepinselt ist. Dort war ich unterwegs mit einer Familiensaga, die laut einer Kritikerin eine Art samoanische Buddenbrooks sei. Die Geschichte von Albert Wendt erzählt, wie das Clanoberhaupt Tauilopepe raffiniert mit der Technik der ausländischen “Papalagi” seinen Clan zum bedeutendsten und reichsten im Ort Sapepe macht; dabei bleiben aber viele Menschen - selbst in der eigenen Familie - auf der Strecke. Soviel Machtausübung und Kälte ruft früher oder später Feinde auf den Plan.

Ursprünglich wollte ich bei Samoa Wendts Buch “Der Clan von Samoa” lesen und erst das Suchen im Internet zeigte, dass ich eigentlich doch genau das Buch erwischt hatte, das ich wollte *seufz* Ein anderer Verlag, eine andere Auflage, ein anderer Titel …

Rezension
Samoa Albert Wendt - Die Blätter des Banyanbaums

Samoa ist ein zweigeteilter Inselstaat: Der westliche Teil ist Samoa (bzw. auch Westsamoa), der östliche Teil gehört zu den USA. Das Buch spielt auf der Insel Upolu, auf der die Hauptstadt Apia liegt.

Wie Wikipedia schreibt, entschuldigte sich 2002 Helen Clark, Premierministerin Neuseelands, offiziell für die „inkompetente und unangemessene Behandlung Samoas während der ersten Jahre neuseeländischer Verwaltung“. Eine Ahnung davon, wie der latente Rassismus ausgesehen hat, gibt das Buch ab dem zweiten Teil deutlich wieder. Zwar erhielt Samoa am 1. Januar 1962 erhielt West-Samoa als erstes fremd beherrschtes Land Polynesiens seine Unabhängigkeit wieder, aber die “Papalagi” und ihre Einflüsse behielten das Land dennoch in ihren Händen.

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