Archive für 8.7.2009

Überall sonst ist es besser

findet jedenfalls Fernando Vallejo, wenn er an sein Heimatland Kolumbien denkt. In seinem autobiografisch geprägten Roman “Der Abgrund” hat er kein gutes Wort für dieses Land übrig und er macht auf 190 Seiten keinen Hehl daraus, dass ihm auch sonst nichts an Land und Leuten liegt (”… jedes Jahr dreißigtausend Ermordete in diesem geisteskranken Land …”). Nicht einmal seine Familie verschont er - mit Ausnahme seines Lieblingsbruders Darío, von dessen Tod das Buch (abgesehen von den Meckereien) handelt.

Vallejo lebt seine Abneigung konsequent: Er kehrte Kolumbien 1971 den Rücken und zog nach Mexiko. 2007 bekam er die mexikanische Staatsbürgerschaft und postwendend gab er die kolumbianische Staatsbürgerschaft auf.

Die Landeshauptstadt Bogotá wurde von der UNESCO zur Welthauptstadt des Buches 2007 gekürt und hat sich damit gegen Konkurrenten wie z. B. Amsterdam (wurde es dann 2008) und Wien durchgesetzt. Das ist natürlich ein Fundstück, dass ich im Zusammenhang mit einer literarischen Weltreise besonders bemerkenswert fand. Der Titel wird seit 2001 jährlich vergeben und auch, wenn man in Deutschland vielleicht nicht viel von kolumbianischer Literatur mitbekommt, so muss der Preis ein Zeichen dafür sein, dass in diesem Land eine attraktive und lebendige Literatur exisitiert.

Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, von dem ich allerdings nur sagen kann, dass da eine Bildungslücke klafft. Bekannteste kolumbianische Musikerin ist Shakira und die Lücke klafft definitiv nicht.

Rezension
Kolumbien Fernando Vallejo - Der Abgrund

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