Archive für Juli 2009

Dünne Saat aus Portugal

Die Suche nach passenden Büchern bereitet mir immer wieder mehr oder wenige nette Überraschungen. Wie die Recherche für Portugal beispielsweise: Da ich parallel eine kriminelle Europareise mache und auch bei der hiesigen Weltreise bevorzugt Krimis lesen wollte, machte ich mich ordnungsgemäß auf die Suche nach portugiesischen Krimiautoren; einer für hier, einer für da. Hübsch verteilt eben. Erste Anlaufstelle war die Krimi-Couch, auf der ich folgenden entzückenden Satz zu lesen bekam:

Die Riege der portugiesischen Krimiautoren ist dünn gesät, um nicht zu sagen: Es gibt nur einen Portugiesen, der Krimis schreibt, die bisher in deutscher Sprache veröffentlicht wurden.

Gemeint ist Francisco José Viegas. Da fällt man angesichts der überbordenden Auswahl glatt in Ohnmacht. Weitere Recherchen ergaben zwar duchaus mehr Krimis, die in Portugal spielen, allesamt aber von auswärtigen Autoren. Und weil ich in der Vergangenheit schon einige Ausnahmeregelungen zugelassen hatte, wollte ich ausgerechnet bei diesem europäischen Land keine Sonderfuhre. Joker sparen! Wer weiß, wann wieder welche fällig werden.Und so lautet der Beschluss, dass der Mensch was lernen muss. In diesem Fall: Liebe Bettina, lies’ den Viegas brav für die Krimireise und suche Dir für die Weltreise etwas anderes. Wie wäre es mit José Saramago, der als Nobelpreisträger das Land sicher würdig vertreten wird? Wir werden es versuchen. Es sei denn, Viegas begeistert mich so sehr, dass ich noch mehr von ihm lesen will. Wie die Entscheidung ausgeht, werden wir sehen.

Ein kleines Ratespiel

um ein kleines Land. Ab heute bin ich wieder auf Reisen - gut 470 Seiten habe ich vor mir und werde eine Weile beschäftigt sein. Bis ich all die Seiten in einem schönen Buch mit buntem Umschlag fertig gelesen habe, bleibt ausreichend Zeit, um ein wenig zu raten. Es wird mein 36. Land auf dieser Reise sein und es ist auf dieser Karte zu finden:

Weltkarte für ein Ratespiel

Verflixt nochmal, wo ist denn bloß das Land, in dem ich mich gerade befinde? Nein, ich habe nicht geschwindelt, da ist wirklich etwas Rotes drauf! Wer es gefunden hat, ist mit dem Raten noch lange nicht fertig: Der darf überlegen, wie dieses Land heißen könnte…

Die Auflösung gibt es nach 470 Seiten ;-)
Bis dahin, schöne Reise!

Überall sonst ist es besser

findet jedenfalls Fernando Vallejo, wenn er an sein Heimatland Kolumbien denkt. In seinem autobiografisch geprägten Roman “Der Abgrund” hat er kein gutes Wort für dieses Land übrig und er macht auf 190 Seiten keinen Hehl daraus, dass ihm auch sonst nichts an Land und Leuten liegt (”… jedes Jahr dreißigtausend Ermordete in diesem geisteskranken Land …”). Nicht einmal seine Familie verschont er - mit Ausnahme seines Lieblingsbruders Darío, von dessen Tod das Buch (abgesehen von den Meckereien) handelt.

Vallejo lebt seine Abneigung konsequent: Er kehrte Kolumbien 1971 den Rücken und zog nach Mexiko. 2007 bekam er die mexikanische Staatsbürgerschaft und postwendend gab er die kolumbianische Staatsbürgerschaft auf.

Die Landeshauptstadt Bogotá wurde von der UNESCO zur Welthauptstadt des Buches 2007 gekürt und hat sich damit gegen Konkurrenten wie z. B. Amsterdam (wurde es dann 2008) und Wien durchgesetzt. Das ist natürlich ein Fundstück, dass ich im Zusammenhang mit einer literarischen Weltreise besonders bemerkenswert fand. Der Titel wird seit 2001 jährlich vergeben und auch, wenn man in Deutschland vielleicht nicht viel von kolumbianischer Literatur mitbekommt, so muss der Preis ein Zeichen dafür sein, dass in diesem Land eine attraktive und lebendige Literatur exisitiert.

Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, von dem ich allerdings nur sagen kann, dass da eine Bildungslücke klafft. Bekannteste kolumbianische Musikerin ist Shakira und die Lücke klafft definitiv nicht.

Rezension
Kolumbien Fernando Vallejo - Der Abgrund

Die lange Jagd nach Marjane Satrapi …

… hatte mit einem unerwarteten Fund ein Ende. Mal wieder geht’s in die Stadt, mal wieder Bibliothek, mal wieder eine Fahrt im gläsernen Fahrstuhl, mal wieder Sparte Comics, mal wieder lässiges Blättern unter S … ein verdutzter Blick. Da strahlt doch glatt der Name Satrapi auf dem Cover! Hoppla, da prangte doch sonst nie das Gesuchte? Bin ich in der falschen Spalte, am falschen Ort?

Ich hatte wohl einen Glückstag, denn zwar war von Persepolis mal wieder weit und breit nichts zu sehen, dafür aber fand ich “Huhn mit Pflaumen”, eine Erinnerung an ihren Großonkel.

In der Süddeutschen Zeitung stand einmal über Marjane Satrapi, sie zeichne ihre Familiengeschichte nicht für iranische Leser, sondern für jene westliche Welt, die gewissermassen vor lauter Kopftüchern die Vielfalt der realen Gesichter des Iran nicht sehe. Was ich gelesen habe, war eine Geschichte über einen missmutigen Musiker, der sein Leben als gescheitert ansieht. Fand ich eigentlich eine ganz normale Geschichte und nichts Neues oder Besonderes. Politische Hintergründe tauchen maximal als Fußnote auf und davon gibt es nicht einmal eine Handvoll. Als Aufklärung jedenfalls rutschte dieser Comic nicht bei mir durch.

Rezension
Iran Marjane Satrapi - Huhn mit Pflaumen

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