Archive für November 2008

Zwischen Lebenslust und Melancholie

… pendelt Leonardo Paduras Teniente Mario Conde, ein Ermittler aus dem kubanischen Havanna. Dessen alter Schulkamerad Rafael Morín ist verschwunden und “El Conde” muss sich auf die Suche machen - ausgerechnet, hatte doch damals Rafael, nicht Mario das attraktivste Mädchen der Schule abschleppen dürfen.

Der Spagat zwischen arm und reich scheint sich in Cuba ganz besonders durch die Abschottung ausgeprägt zu haben: Im Haus der Diplomatentochter fehlt es an so gut wie nichts; die Mutter Rafaels lebt zwar in einer ärmlichen Einzimmerwohnung, bekommt vom Sohn aber Chanel No.5 geschenkt. Morín muss einfach Dreck am Stecken haben und mit einem Täter aus höheren sozialen Schichten bricht Padura mit früheren Klischees: Das war zu Zeiten des staatlich geförderten sozialistischen Kriminalromans nicht möglich.

Interessant zudem auch der gute Einblick in die verschiedenen Lebenssituationen der Kubaner: Padura erzählt aus Berufs- und Privatleben, von der Schule und dem Studium und überlässt dabei den Lesern die Einsicht, welche ganz eigenen Gewächse die Revolution im Alltag bildet. Dieser Krimi ist eines der Bücher, bei denen ich gerne einen Bildanhang gehabt hätte. Ein Glück, dass mein Mann eine Handvoll Fotos aus dem Schrank holen konnte und ich nun weiß, was es mit der Bar Floridita auf sich hat.

Rezension
Cuba Leonardo Padura - Das perfekte Leben

Un Peuple, un But, une Foi

… ein Volk, ein Ziel, ein Glaube - so der Wahlspruch des Senegal, in den mich meine jüngste Reiseetappe führte. Das Hörbuch aus der Bibliothek landete überdurchschnittlich schnell auf dem Plattenteller (sozusagen…). Siehe da, ich landete in einem Land, von dem ich herzlich wenig Ahnung hatte. Die Hauptstadt Dakar ist bekannt, spätestens, seit Jutta Kleinschmidt 2001 die Rallye Dakar gewinnen konnte. Bei meinen Recherchen stellte ich fest, dass ich immerhin auch den Musiker Youssou N’Dour kenne, der in der Hauptstadt einen Club betreibt und dort auch selber immer wieder auftritt.

Seit 1960 ist der Senegal unabhängig von Frankreich und dennoch dominiert dieses Land die Träume vieler Senegalesen: Salie, die Erzählerin des Hörbuchs, lebt in Strasburg und ihr kleiner Bruder Madické will unbedingt nachkommen und ein berühmter Fußballer werden. Dass zu große Träume an der französischen Realität nur scheitern können, hat Salie jedoch zu genau erfahren und vom Spagat zwischen Traum und Wirklichkeit erzählt eindrucksvoll dieses Hörbuch:

Rezension
Senegal Fatou Diome - Der Bauch des Ozeans

Übrigens: Das Hörbuch ist immer wieder mit senegalesischer Musik untermalt und am Ende gibt es einen schönen Titel am Stück zu hören. Leider habe ich nirgends einen Hinweis gefunden, ob das nicht zufällig Youssou N’Dour ist oder welcher Künstler sonst dafür ausgewähl wurde :-(

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