Archive für Oktober 2007

Fiktion & Wahrheit treffen sich

Ich bin im Zug unterwegs zur größten Fachmesse für Kunststoffverarbeitung und lese den Krimi “Der Zug aus Venedig” von Georges Simeneon. Und wo arbeitet die Hauptperson? Bei einem Kunststoffverarbeiter :-)

Zwischen Reise und Buch liegen mickrige 42 Jahre; ich bin Justin Calmar also leider nicht begegnet, aber ich konnte zumindest seine beruflichen Leiden auf der Suche nach besseren Einfärbungen, weniger Schlieren und langlebigerer Formtreue ganz gut verstehen.

Rezension
Belgien Georges Simenon - Der Zug aus Venedig

Über Simenon schreibt krimicouch:

Sein Lebenswerk umfasst mehr als 200 Romane, die durch Charakterstudien und Milieuschilderungen bestechen. Simenon war als Schnellschreiber bekannt. Für ein Manuskript benötigte er meist nur acht bis zehn Tage.

Drei bis vier Veröffentlichungen soll er im Jahr geschafft haben. Da staune ich, denn vom Hörensagen her scheinen auch in anderen Geschichten gut recherchierte Details zu stecken, so wie im vorliegenden Buch die Details zur Kunststoffverarbeitung. Wow, wie bringt man das alles unter einen Hut? Simenon scheint mir zu denen zu gehören, die keine seitenlangen Beschreibungen benötigen, um charakteristische Aspekte einer Arbeit oder der Atmosphäre am Arbeitsplatz zu schildern. Aber er wusste, worauf es ankam und wie man das Milieu richtig zusammensetzt - ohne den Leser mehrere Abschnitte lang mit angelesenem Wissen zu umgarnen. Soweit jedenfalls mein Eindruck und den werde ich bei Gelegenheit in anderen Werken testen.

Lauter Eigenbrötler

Ich komme gerade aus Japan zurück: Einerseits war das Buch poetisch geschrieben, dann wieder mal nicht, langweilig wurde es selten, dafür war aber der voyeuristische Sex zuviel des Guten und etwas zu viel Selbstmord für meinen Geschmack. Scheint in Japan aber eine attraktive Alternative zum Spruch “Das Leben geht weiter” zu sein. Und was der Beatles-Song “Norwegian Wood” mit der Geschichte zu tun hat, hat sich mir nie erschlossen.

Rezension
Japan Haruki Murakami - Naokos Lächeln

Was lerne ich dazu? Seppuku ist eigentlich der Begriff für die ritualisierte Art des männlichen Suizids, etwa ab der Mitte des 12. Jahrhunderts vor allem bei Samurai verbreitet und 1868 offiziell verboten. Der Begriff Harakiri ist umgangssprachlich und wird vor allem von Europäern und Amerikanern benutzt. Er kann als Beleidigung empfunden werden.
Man muss vielleicht mit dieser Tradition groß geworden sein, um sie zu verstehen. Mir jedenfalls fehlt der Draht dazu und ich empfand den Umgang der Personen mit dem eigenen Leben als allzu locker.

Abbruch eines Aufenthalts

Ich habe meine Irland-Reise nach 3 von 5 CDs abgebrochen. So ein mieses Buch kann ich schlecht da stehen lassen. Zunächst rechne ich Irland als gelesen, aber sobald ich kann, ersetze ich das Machwerk.

Rezension
Irland Nuala O’Faolain - Ein alter Traum von Liebe

Die Erde von oben

Einen ganz neuen Blick auf die Erde - und eine äußerst attraktive Ergänzung zu meiner Weltreise - bietet Yann Arthus-Bertrand. Er ist Fotograf und hat sich auf Luftbilder spezialisiert: Brillante Arbeit, wie zum Beispiel ein Blick auf seine Website zeigt. Mir gefallen die Bilder sehr gut, weil sie wie klug komponiert wirken. Sie bestechen durch Farbe, Strukturen und auch durch die Faszination eines bestimmten Augenblicks.

Rezension
Weltweit Yann Arthus-Bertrand - Die Erde von oben

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