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Reisebüro Bleisatz

Das Reisebüro Bleisatz hat zum dritten Jahrestag der Weltreise den neuen Katalog ausgepackt:

Weltkarte: 20 künftige Reiseziele

Insgesamt zwanzig Länder buhlen im Katalog um meine Gunst. Doch ist die Weltkarte ganz schön irreführend, denn einige Länder sind dabei, die sind gerade mal ein Pixelchen groß (wie der Vatikan, Trinidad & Tobago oder Tahiti) oder erscheinen gleich gar nicht auf der Karte (wie Kiribati). Man muss schon eine etwas größer aufgelöste Karten von Polynesien nehmen, um festzustellen, wo die Inselchen im Pazifik liegen (z. B. bei Wikipedia) und stellt dann fest, dass da verflixt viel Wasser ist, aber dass da auch mehr Inselchen sind, als man je gedacht hat.

Zu den Reisezielen gehören:
Pakistan, Bangladesh, Mexico, Uruguay, Costa Rica, Österreich, Südafrika, Trinidad & Tobago, Vatican, Polen, Dänemark, Kiribati, Sao Tomé und Prinicpe, Canada, Tahiti, Aserbaidschan, Färöer, Grönland, Neuseeland, Elfenbeinküste.

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Ausgerechnet Bananen!

Bei meiner literarischen Weltreise gibt es einige Mitreisende, mit denen ich Tipps und noch mehr Tipps austausche. Ein Besuch in Costa Rica weckte mein Interesse, da es im Buch unter anderem um ziemlich viele Bananen geht: Die United Fruit Company (heute unter einem anderen Namen bekannt durch ihr blaues Logo) dominiert(e) den Obsthandel in Lateinamerika und spielt damit indirekt auch die Hauptrolle im Buch Die grüne Hölle von Carlos Luis Fallas Sibaja. Der fand in den 1920er und 1930er Jahren üble Arbeitsbedingungen vor, als er selbst auf den Plantagen arbeitete - davon erzählt er in seinem Buch. Seinem Lebenslauf zufolge waren die Zustände wohl der Grund für ihn, sich politisch zu engagieren.

Just heute lag dieses Buch in meinem Briefkasten!

Eine kleine Leseüberraschung für mich von meiner Mitreisenden :-)

Kaum hatte ich es in der Hand, fing ich an, ein bisschen nach der Firma UFC zu googlen. Dabei würden mich alleine die Suchergebnisse schon neugierig auf das Buch machen, hätte das nicht schon zuvor die Mitreisende geschafft:

In den 70 Jahren seit Erscheinen des Buchs hat sich der Name des Unternehmens geändert; vielleicht hat sich auch etwas an der Mitarbeiter- und Umweltpolitik verändert, wie man aber so hört, nicht unbedingt zum Guten. Fallas ist nicht der einzige, der die UFC literarisch verewigt hat. Im Roman “Hundert Jahre Einsamkeit” von Kolumbianer Gabriel García Márquez sei der unmenschliche Einfluss der UFC in Kolumbien ebenso Thema wie in “Canto General” vom chilenischen Autoren Pablo Neruda. Zu den literarischen Kritikern gehört ebenso Miguel Ángel Asturias aus Guatemala wie der US-amerikansiche Sänger Little Steven mit seinem Song “Bitter Fruit” oder der Autor Gore Vidal mit seinem Roman “Dark Green, Bright Red“, in dem er eine nur schwach fiktionalisierte Version der UFC einen Militärputsch in einem leicht fiktionalisierten Guatemala unterstützen lässt.

Das klingt, als hätte ich mit diesem einen Buch noch ein paar mehr auf die Merkliste bekommen …

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Mafia ist überall

Nicht nur in Italien. Alexandra Marinina lässt ihre Ermittlungsspezialistin Anastasija Kamenskaja eine besondere Art der Mafia in Russland finden: In der großen STADT (deren Name stets so geschrieben wird und deren reellen Namen man nie erfährt) regiert ein Mann alleine. Er hat alles unter Kontrolle und rivalisierende oder nebeneinander arbeitende Gruppen gibt es nicht. Eine interessante Hypothese? Reine Theorie oder der Realität abgeguckt?

In der STADT jedenfalls scheint das Konzept aufzugehen und die Leute leben erstaulich positiv, aufgeweckt und genießen ihr Leben; der Herrscher weiß, geschickt die Balance zu halten. Was Anastasija zwar anerkennend zur Kenntnis nimmt, ihr aber dennoch Bauchschmerzen macht, als sie diesem Herrn helfen soll, eine “illegel” operierende Bande von Kriminellen auszuheben. Denn zwischen “kriminell” und “kriminell” macht der STADT-Herr noch große Unterschiede.

Rezension
Russland Alexandra Marinina - Auf fremdem Terrain

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Politische Ansichten

… verbreitet Nuruddin Farah zuhauf in seinem Roman “Vater Mensch”. Mein Beitrag über Somalia, den ich vor über zwei Jahren im Baumarkt ergattert habe. Die Lektüre war nicht allzu erhellend, weil ich oft genug fast eingeschlafen wäre - ich gebe es zu. Hauptperson Deeriye und seine Theorien über den Staat und Recht und so weiter halten einen wirklich nicht wach und ich empfehle künftigen Lesern jedenfalls die Lektüre zu helleren Zeiten. Einen Reread / eine Wiederholungslektüre werde ich selbst nicht wagen. Ob es einfacher ist, wenn man die anderen beiden Teile zuvor gelesen hat?

“Vater Mensch” ist der dritte Teil der Trilogie Variationen über das Thema einer afrikanischen Diktatur. Die Trilogie ist locker zwanzig Jahre alt, hat für ihre deutsche Übersetzung allerdings erst um das Jahr 2000 herum einen Verlag gefunden. Unzeitgemäß ist Farahs Text damit allerdings noch lange nicht, den krisengeschüttelt ist Somalia nach wie vor und die Schwelle zwischen dem Frieden und dem Griff zur Waffe ist klein. Dafür gibt es bei Farah noch eine kleine Portion somalische Geschichte, denn Deeriye kennt die Zeiten der italienischen Kolonialherrschaft. Genauso wenig eine Zeit des Zuckerschleckens wie die Zeit danach. Die Geschichte Somalias liest sich wieder Bericht über ein Puzzlespiel, das kein Ende findet:

Das Land am Horn von Afrika entstand aus dem Zusammenschluss zweier Kolonialgebiete: Britisch Somaliland und Italienisch-Somaliland; diese wurden 1960 gemeinsam unabhängig. Danach gab es eine autoritäre Regierung, die 1991 gestürzt wurde und seither gab es offensichtlich keine einzige international anerkannte Regierung. Das Puzzle geht weiter, denn die existierende (Übergangs-)Regierung regiert nur theoretisch fast alles: Der Norden des Landes ist als Somaliland unabhängig, von der internationalen Gemeinschaft allerdings nicht anerkannt und auch ansonsten haben lokale Clans und andere mitunter mehr zu sagen. Nicht zuletzt gibt es weitere Gebiete, die gerne unabhängig wären. Da Farahs Buch von 1983 ist, sollte bei Interesse an der zeitnahen Situation zu anderer Lektüre gegriffen werden.

Rezension
Somalia
Nuruddin Farah  - Vater Mensch

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Herr Qiu oder Herr Xiaolong?

Bei meinem jüngsten Reisebeitrag fragte ich mich zu Beginn, ob ich nun ein Buch von Herrn Qiu oder ein Buch von Herrn Xiaolong gelesen habe *grübel* Soviel Verwirrung jedenfalls stammt aus China, da dort der Nachname voran gestellt wird. Die deutschen Verlage übernehmen das verständlicherweise, jedoch in meinem Fall ohne Hinweis darauf. Jetzt jedenfalls weiß ich Bescheid, was mich aber nicht daran gehindert hat, Herrn Qiu in meiner A bis Z-Krimi-Liste ganz dreist unter X zu führen.

Damit mir deshalb keiner böse ist, hier gleich der Link zur Rezension ;-)

Rezension
China Qiu Xiaolong - Tod einer roten Heldin

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Schöne Grüße von Kim Jong-il

Schöne Grüße von einem Staatschef, den man niemals persönlich treffen wird, dem man aber bei einem Aufenthalt in Pjöngjang am laufenden Band begegnet: Auf Bildern, Plakaten, Wandmalereien, Abzeichen, Monumenten oder oder oder … und der Opern komponiert hat, auf Anhieb Golf gespielt hat wie ein junger Gott, der bereits als Student zahlreiche bedeutende Texte geschrieben hat und auch sonst eine Menge tut, was ein Wunderkind eben können muss.

Diese Weltreisestation hat das Zeug dazu, meine ungewöhnlichste zu werden. Dank des Comiczeichners Guy Delisle konnte ich Nordkorea besuchen, das Land mit dem weltweit geringsten prozentualen Ausländeranteil. Einwanderung ist hoffnungslos unattraktiv und die Ausländer, die man trifft, sind alle nur befristet im Land. Diplomaten, Ärzte, Mitarbeiter von NGO’s (Non Government Organization) oder eben Mitarbeiter aus der Comicindustrie, die norkoreanische Zeichner anleiten.

Doch selbst da, wo man ein bisschen mehr weiß, bleiben die Informationen vage. Ob Nordkorea nun an Comicfilme wie Pocahontas zugeliefert hat, wie kolportiert wird, bleibt offen - selbst, wenn bekannt ist, dass sich einige Comicstudios dort die Klinke in die Hand geben. Auch der Aufenthalt Delisles wäre beinahe ein Geheimnis geblieben, denn er musste einen Geheimhaltungsvertrag für seinen damaligen Arbeitgeber unterzeichnen. Doch der existiert nicht mehr und damit auch keine Schweigepflicht. Gut so!

Rezension
Nordkorea Guy Delisle - Pjöngjang